Autor: Melanie Berger

Aktualisiert am 27. September 2026

Kurz gesagt

Was ist Konfliktmanagement? Konfliktmanagement umfasst alle Maßnahmen, mit denen ein Unternehmen Konflikte früh erkennt, einordnet und löst. Es besteht aus präventiven Instrumenten wie Feedbackkultur und klaren Rollen und aus kurativen wie Klärungsgespräch, Moderation und Mediation. Es wirkt, weil Konflikte auf niedriger Eskalationsstufe mit einfachen Mitteln lösbar sind. Die Grenze: Ab Glasl-Stufe 4 ist meist jeder im Haus Partei, dann braucht es einen neutralen Dritten.

Für Feuer gibt es in jedem Unternehmen einen Plan: Feuerlöscher an der Wand, Fluchtwege, eine jährliche Übung. Für Konflikte gibt es meistens den Chef. Und der ist dummerweise oft selbst Partei.

Konfliktmanagement im Unternehmen schließt diese Lücke. Es regelt, wer bei Spannungen was tut, mit welchen Instrumenten und ab wann jemand von außen dazukommt. Hier findest du die Definition, den Ablauf in fünf Schritten, die Rollen im Betrieb, die wichtigsten Instrumente und die Signale, ab denen internes Konfliktmanagement an seine Grenzen kommt.

Was ist Konfliktmanagement?

Konfliktmanagement bezeichnet alle Maßnahmen, mit denen Konflikte erkannt, eingeordnet, bearbeitet und nachhaltig gelöst werden. Im Unternehmen spricht man auch von betrieblichem Konfliktmanagement. Gemeint ist dann mehr als das einzelne Gespräch: Es geht um Zuständigkeiten, Abläufe und Anlaufstellen, die auch dann funktionieren, wenn die Stimmung schon angespannt ist.

Und was ist überhaupt ein Konflikt? Friedrich Glasl beschreibt ihn als Interaktion, in der mindestens eine Seite Unvereinbarkeiten im Denken, Fühlen oder Wollen mit der anderen Seite erlebt und sich dadurch beeinträchtigt fühlt. Wichtig daran: Es reicht, wenn eine Person den Konflikt so erlebt. Wie schnell sich so eine Lage hochschaukeln kann, zeigen die neun Eskalationsstufen nach Glasl.

Zwei Begriffe werden dabei oft verwechselt. Konfliktmanagement-Modelle wie Glasl, Thomas-Kilmann oder das Harvard-Konzept erklären, wie Konflikte entstehen und verlaufen. Konfliktmanagement-Methoden sind die Werkzeuge, mit denen du sie bearbeitest, etwa aktives Zuhören, Fragetechniken oder Mediation. Konfliktmanagement im Unternehmen ist der Rahmen, in dem beides zum Einsatz kommt.

Was ist der Unterschied zwischen Konfliktmanagement und Konfliktlösung?

Konfliktlösung ist das Ergebnis im Einzelfall: Zwei Menschen oder zwei Teams einigen sich. Konfliktmanagement umfasst den ganzen Weg dorthin und darüber hinaus, also das Vorbeugen, das frühe Erkennen, die Wahl des passenden Verfahrens und das Nachhalten. Konkrete Wege zur Einigung findest du bei den Konfliktlösungsstrategien.

Welche Ziele hat Konfliktmanagement im Unternehmen?

Ein Unternehmen ohne Konflikte gibt es nicht, und es wäre auch kein gutes Zeichen. Unterschiedliche Sichtweisen bringen Ideen weiter, solange sie konstruktiv bleiben. Konfliktmanagement verfolgt deshalb fünf Ziele:

  • Früh erkennen: Spannungen fallen auf, solange sie klein und gut lösbar sind.
  • Eskalation verhindern: Die Auseinandersetzung bleibt auf der Sachebene und wird nicht persönlich.
  • Arbeitsfähigkeit sichern: Das Team kann weiterarbeiten, auch während ein Konflikt geklärt wird.
  • Beziehungen erhalten: Die Beteiligten können nach der Klärung weiter zusammenarbeiten.
  • Kosten begrenzen: weniger verlorene Arbeitszeit, weniger Kündigungen, weniger Rechtsstreit.

Ein gutes Maß für Konfliktmanagement ist deshalb die Frage, wie früh und mit wie wenig Aufwand Konflikte gelöst werden.

Kostenloser Konflikt-Workshop · 25 Min

In 25 Minuten verstehen, was deine Truppe blockiert. Und in welcher Falle du steckst.

Melanie Berger im kostenlosen Konflikt-Workshop mit Konflikt-Radar Melanie Berger im kostenlosen Konflikt-Workshop

Du füllst deinen Konflikt-Radar aus und findest selbst heraus, wo dein Konflikt steht.

Jetzt kostenlos ansehen

Kostenlos · on demand · diskret (§ 18 ZivMediatG)

Wie läuft Konfliktmanagement ab?

Ob zwei Kollegen über Zuständigkeiten streiten oder zwei Abteilungen über Budgets: Der Ablauf folgt fast immer denselben fünf Schritten.

1

Konflikt erkennen

Achte auf Signale: Rückzug, Sticheleien, Beschwerden über Dritte, E-Mails mit großem Verteiler. Je früher du hinschaust, desto einfacher wird die Lösung.

2

Konflikt einordnen

Worum geht es wirklich, wer ist beteiligt, auf welcher Eskalationsstufe steht ihr? Die Antwort entscheidet über alle weiteren Schritte.

3

Setting klären

Lege fest, wer das Gespräch führt, wer dabei ist, wo und wann es stattfindet. Ist die Führungskraft selbst Partei, braucht es jemand anderen. Wie das konkret geht, zeigt Konfliktgespräch vorbereiten.

4

Konflikt bearbeiten

Zuerst kommen die Sichtweisen auf den Tisch, danach die Interessen dahinter. Erst dann sucht ihr Lösungen und haltet sie schriftlich fest.

5

Nachhalten

Nach zwei bis vier Wochen prüft ihr gemeinsam: Hält die Vereinbarung? Was muss nachgeschärft werden?

Die meisten Fehler passieren bei Schritt 2 und 3. Wer einen Konflikt falsch einordnet, wählt das falsche Werkzeug. Ein typisches Beispiel: Ein Konflikt auf Glasl-Stufe 5 wird mit einem freundlichen Vier-Augen-Gespräch behandelt, und beide gehen noch verhärteter hinaus.

Welches Verfahren passt zu welcher Eskalationsstufe?

Die neun Eskalationsstufen nach Glasl lassen sich in drei Phasen teilen, und jede Phase braucht ein anderes Vorgehen:

  • Stufe 1 bis 3: Die Beteiligten können den Konflikt meist selbst lösen, mit einem Klärungsgespräch oder einer Führungskraft, die das Gespräch begleitet. Wie so ein Gespräch abläuft, steht in Konfliktgespräch führen.
  • Stufe 4 bis 6: Es haben sich Lager gebildet, Drohungen und Gesichtsverlust stehen im Raum. Hier braucht es eine neutrale Person, etwa für Moderation oder Mediation.
  • Stufe 7 bis 9: Es geht nur noch darum, der anderen Seite zu schaden. Dann entscheiden meist Dritte, etwa durch Schiedsverfahren, Gericht oder eine klare Entscheidung von oben.

Beim Einordnen hilft auch der Blick auf die Menschen. Die 7 Konflikttypen reagieren unter Druck sehr unterschiedlich: Der eine geht in den Angriff, die andere zieht sich zurück. Für das Gespräch selbst helfen gute Fragetechniken und deeskalierende Kommunikation.

Wenn du diesen Ablauf an deinem eigenen Konflikt durchspielen willst, schau dir den Konflikt-Workshop an. Er dauert 25 Minuten.

Wer ist im Unternehmen für Konfliktmanagement zuständig?

Konfliktmanagement ist zuerst Führungsaufgabe. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studienreihe von PwC und der Europa-Universität Viadrina: Führungskräfte sind die erste Anlaufstelle, wenn es im Team knirscht. Sie sind allerdings nicht allein.

Wer übernimmt welche Rolle im Konfliktmanagement?

Jede Rolle hat eine klare Aufgabe und eine klare Grenze, und die Grenze liegt meist dort, wo die Person selbst Partei ist.

RolleAufgabeGrenze
Führungskrafterkennt Konflikte früh, führt Klärungsgespräche im Team, setzt den Rahmenist oft selbst Partei und ab Glasl-Stufe 4 selten noch neutral
HR / Personalabteilungberät Führungskräfte, organisiert Verfahren, begleitet arbeitsrechtliche Schrittewird von Mitarbeitern oft als Arbeitgeberseite erlebt
Betriebsratvertritt die Interessen der Belegschaft, kann vermittelnhat einen klaren Auftrag für eine Seite
Interne Konfliktlotsenerste niederschwellige Anlaufstelle, hören zu, verweisen weiterkennen die Beteiligten, haben meist eine kurze Ausbildung
Externe Mediationführt allparteilich durch ein strukturiertes Verfahren, gesetzlich geregelt (ZivMediatG in Österreich, Mediationsgesetz in Deutschland)braucht die Bereitschaft beider Seiten
Anwalt / Gerichtklärt Rechtsfragen, setzt Ansprüche durchentscheidet über Rechte, die Beziehung bleibt meist auf der Strecke

In kleinen und mittleren Unternehmen gibt es selten eine eigene Stelle für Konfliktmanagement. Dort gilt eine einfache Regel: Die Führungskraft klärt, solange sie neutral bleiben kann. Ist sie selbst betroffen, übernimmt die nächsthöhere Ebene oder jemand von außen. Wann eher der Anwalt und wann eher die Mediation passt, liest du im Vergleich Anwalt oder Mediator.

Was kannst du als Führungskraft konkret tun?

Du musst kein Mediator sein, um Konflikte in deinem Team gut zu managen. Vier Gewohnheiten reichen für einen soliden Anfang:

  • Frag nach, wenn dir etwas auffällt. Ein kurzes „Mir ist aufgefallen, dass …“ öffnet mehr als jede Teamregel.
  • Sprich einen Konflikt im Team mit allen Beteiligten gemeinsam an. Einzelgespräche über den Konflikt machen dich schnell zum Geheimnisträger.
  • Entscheide bewusst, ob du selbst moderierst oder jemanden dazuholst. Bist du Teil des Konflikts, moderiere nicht selbst.
  • Halte Vereinbarungen schriftlich fest und frag nach ein paar Wochen nach, ob sie tragen.

Wie das bei Konflikten zwischen mehreren Teammitgliedern aussieht, zeigt der Leitfaden Teamkonflikte lösen.

Welche Arten von Konflikten gibt es im Unternehmen?

Welches Instrument passt, hängt auch davon ab, worum es im Kern geht. Im Arbeitsalltag begegnen dir vor allem diese Konfliktarten:

  • Sachkonflikte: Uneinigkeit über Fakten, Wege oder Lösungen.
  • Zielkonflikte: Zwei Seiten verfolgen Ziele, die sich gegenseitig ausbremsen, etwa Vertrieb und Controlling.
  • Verteilungskonflikte: Es geht um knappe Ressourcen wie Budget, Personal oder Zeit.
  • Rollenkonflikte: Unklare Zuständigkeiten oder widersprüchliche Erwartungen an eine Position.
  • Beziehungskonflikte: Die Chemie stimmt nicht, Vertrauen ist verloren gegangen.
  • Wertekonflikte: Unterschiedliche Vorstellungen davon, was richtig und wichtig ist.

In der Praxis treten sie selten allein auf. Ein Verteilungskonflikt, der lange ungelöst bleibt, wird fast immer zum Beziehungskonflikt. Was häufig dahintersteckt, zeigen die häufigsten Konfliktursachen.

Praxisreport Unternehmenskonflikte 2026 von Melanie Berger
329Fälle analysiert

Konfliktstudie

Praxisreport Unternehmens­konflikte 2026

31 Seiten, kostenlos. Konkrete Muster aus 329 dokumentierten Konfliktfällen.

Kostenloser Report mit klaren Mustern aus 329 dokumentierten Konfliktfällen.

  • Welche Lösungsversuche ins Leere laufen
  • Wo Konflikte kippen
  • Welche Warnsignale du ernst nehmen solltest
  • Lösungsversuche
  • Warnsignale
  • Mediation
31 Seitenkostenlossofort als PDF

Praxisreport kostenlos laden

Sofort als PDF · kostenlos · Methodik offengelegt

Welche Instrumente gehören zum Konfliktmanagement?

Die Instrumente lassen sich in zwei Gruppen teilen: präventive, die Konflikte früh abfangen, und kurative, die bestehende Konflikte bearbeiten.

Präventive Instrumente

  • Klare Rollen und Zuständigkeiten: Viele Konflikte entstehen dort, wo niemand genau weiß, wer entscheidet.
  • Feedbackkultur: Regelmäßiges Feedback bringt Spannungen auf den Tisch, solange sie klein sind.
  • Feste Gesprächsräume: Teambesprechungen oder Retrospektiven, in denen Reibung ausdrücklich Platz hat.
  • Führungskräftetraining: Wer Konfliktsignale kennt, reagiert früher und sicherer. Was ein Konfliktmanagement-Training inhouse kostet, habe ich separat aufgeschlüsselt.
  • Klare Anlaufstellen: Jeder weiß, an wen er sich wenden kann, auch wenn die eigene Führungskraft beteiligt ist.

Mehr dazu findest du im Beitrag zur Konfliktprävention in Unternehmen.

Kurative Instrumente

  • Klärungsgespräch: Die Beteiligten sprechen direkt miteinander, oft von der Führungskraft begleitet.
  • Moderation: Eine neutrale Person strukturiert das Gespräch, die Lösung erarbeiten die Beteiligten selbst.
  • Mediation: Ein allparteilicher Mediator führt durch ein strukturiertes Verfahren. Für Konflikte zwischen Geschäftspartnern, Gesellschaftern oder Abteilungen gibt es die Wirtschaftsmediation.
  • Konfliktcoaching: Eine Person bekommt Unterstützung für den eigenen Umgang mit dem Konflikt.
  • Schlichtung: Ein Dritter macht einen Lösungsvorschlag, den die Parteien annehmen oder ablehnen.
  • Schiedsverfahren und Gericht: Ein Dritter entscheidet verbindlich.

Je weiter unten in der Liste, desto mehr Kontrolle geben die Beteiligten ab. Beim Klärungsgespräch entscheidet ihr alles selbst, vor Gericht nichts mehr. Eine Übersicht über 20 konkrete Werkzeuge findest du bei den Konfliktmanagement-Methoden.

Instrumente im Konfliktmanagement im Unternehmen

Konflikttypentest für Führungskräfte

Weißt du, wie dein Team dich in Konflikten erlebt? Konflikttyp in nur 3 Minuten bestimmen.

Konflikttyp Sprengmeisterin mit Bombe

Bulldozer, Erklärbär, Wattebäuschchenwerfer oder doch was anderes? Finde heraus, wie du im Konflikt reagierst und wie es leichter geht.

Meinen Typ entdecken

Kostenlos · Ergebnis sofort

Was ist ein Konfliktmanagementsystem?

Ein Konfliktmanagementsystem, kurz KMS, verbindet die einzelnen Instrumente zu einem geregelten Ganzen. Es legt fest, welche Anlaufstellen es gibt, welche Verfahren zur Verfügung stehen, wer sie anstoßen darf und wie Ergebnisse festgehalten werden.

Geprägt hat den Begriff im deutschsprachigen Raum vor allem die Studienreihe von PwC und der Europa-Universität Viadrina. Eine der Studien trägt den Titel „Von den Elementen zum System“, und genau darum geht es: Einzelne Instrumente machen noch kein System. Erst wenn klar ist, wie sie zusammenspielen, greift Konfliktmanagement auch unter Druck.

Zu einem funktionierenden KMS gehören meist:

  • Anlaufstellen, die jeder im Unternehmen kennt
  • Verfahren für unterschiedliche Eskalationsstufen
  • klare Regeln, wer ein Verfahren anstoßen darf
  • geschulte Führungskräfte und, in größeren Unternehmen, interne Konfliktlotsen
  • Zugang zu externer Mediation, wenn intern alle Partei sind
  • eine regelmäßige Auswertung, wo und warum Konflikte entstehen

Für ein kleines Unternehmen muss das kein dickes Handbuch sein. Eine Seite mit Anlaufstellen, Abläufen und einem externen Kontakt für Mediation reicht für den Anfang oft aus.

Wie führst du ein Konfliktmanagementsystem ein?

  1. Bestandsaufnahme: Welche Konflikte gab es in den letzten Monaten, und wie wurden sie gelöst?
  2. Anlaufstellen festlegen: intern für die ersten Stufen, extern für festgefahrene Fälle.
  3. Verfahren beschreiben: Was passiert bei welcher Eskalationsstufe, wer stößt es an?
  4. Führungskräfte schulen: Signale erkennen, Klärungsgespräche führen, Grenzen kennen.
  5. Bekannt machen und auswerten: Alle wissen, wohin sie sich wenden können, und einmal im Jahr wird geprüft, was funktioniert.

Wichtig ist die Reihenfolge. Ein System, das nur auf dem Papier steht, nutzt niemand. Die Schulung der Führungskräfte und das Bekanntmachen entscheiden, ob es im Ernstfall greift. Für die Gespräche selbst hilft ein Kommunikationstraining für Führungskräfte, für das Grundwissen ein Online-Kurs Konfliktmanagement.

Frage an dich

  • An wen wenden sich Mitarbeiter in deinem Unternehmen, wenn es mit der eigenen Führungskraft knirscht?
  • Welcher Konflikt in deinem Umfeld läuft gerade ohne klare Zuständigkeit weiter?
  • Woran würdest du merken, dass ein Konflikt eine Stufe weiter eskaliert ist?
Konfliktmanagement im Unternehmen

Was kostet fehlendes Konfliktmanagement?

Konflikte kosten Geld, auch wenn es selten auf einer Rechnung steht. Die Konfliktkostenstudie von KPMG unterscheidet zwei Arten von Kosten:

  • Direkte Kosten: Anwalts- und Gerichtskosten, Abfindungen, Kosten für Nachbesetzungen.
  • Indirekte Kosten: Arbeitszeit, die in den Streit fließt, sinkende Motivation, Krankenstände, Fluktuation, verlorenes Wissen und schlechtere Entscheidungen.

Die indirekten Kosten sind meist die größeren, und sie tauchen in keiner Kostenstelle auf. Dazu kommt die Führungszeit: Jede Stunde, in der eine Führungskraft schlichtet, fehlt für ihre eigentliche Arbeit. Wie sich das im Alltag summiert, liest du bei den Folgen ungelöster Konflikte.

Aus der Praxis

Ein häufiges Muster: Zwei Teamleiter streiten seit Monaten über Zuständigkeiten. Beide sind fachlich stark, keiner gibt nach, die Geschäftsführung hofft, dass es sich von selbst legt. Dann kündigt die erste Fachkraft aus einem der Teams, kurz darauf die zweite. Erst jetzt wird ein Klärungsgespräch mit externer Begleitung angesetzt. Die Einigung selbst ist dann oft in wenigen Sitzungen erreicht, die Kündigungen lassen sich nicht mehr rückgängig machen.

Welche Fehler passieren im Konfliktmanagement am häufigsten?

Viele Konflikte eskalieren durch gut gemeinte Reaktionen zur falschen Zeit. Diese fünf Fehler begegnen mir in Unternehmen immer wieder:

  • Abwarten: Die Hoffnung, dass sich das von selbst legt, kostet die wertvollste Zeit, nämlich die niedrigen Eskalationsstufen.
  • Zu schnell entscheiden: Wer nach fünf Minuten eine Lösung vorgibt, hat meist nur eine Seite gehört.
  • Nur die Oberfläche bearbeiten: Der Streit um den Dienstplan ist oft ein Streit um Anerkennung. Das zeigt das Eisbergmodell sehr anschaulich.
  • Selbst moderieren, obwohl man Partei ist: Das wirkt auf mindestens eine Seite wie ein Urteil.
  • Keine Nachkontrolle: Eine Vereinbarung ohne Nachgespräch schläft ein, und der Konflikt kommt in neuer Form zurück.

Wann reicht internes Konfliktmanagement nicht mehr?

Interne Lösungen haben eine natürliche Grenze: Sie funktionieren, solange es im Haus jemanden gibt, dem beide Seiten vertrauen. Drei Signale zeigen, dass diese Grenze erreicht ist:

  1. Alle Ansprechpartner im Haus sind Partei oder werden von einer Seite als parteiisch erlebt.
  2. Die Beteiligten reden nur noch übereinander, schriftlich oder über Dritte. Das entspricht etwa Glasl-Stufe 4 und höher.
  3. Frühere Klärungsgespräche haben nichts verändert oder die Lage sogar verschärft.

Dann ist eine externe Mediation meist der schnellere Weg. Eine Mediatorin von außen ist allparteilich, war bei der Vorgeschichte nicht dabei und hat kein Interesse an einem bestimmten Ergebnis. Was das kostet und wie sich die Kosten zusammensetzen, findest du im Pricing-Guide zur Wirtschaftsmediation.

Du bist unsicher, wo dein Konflikt gerade steht? Der Konflikt-Workshop gibt dir in 25 Minuten einen ersten Überblick. Wenn du lieber direkt über deinen Fall sprechen willst, buche ein Konfliktanalyse-Gespräch.

Kostenloser Konflikt-Workshop · 25 Min

In 25 Minuten verstehen, was deine Truppe blockiert. Und in welcher Falle du steckst.

Melanie Berger im kostenlosen Konflikt-Workshop mit Konflikt-Radar Melanie Berger im kostenlosen Konflikt-Workshop

Du füllst deinen Konflikt-Radar aus und findest selbst heraus, wo dein Konflikt steht.

Jetzt kostenlos ansehen

Kostenlos · on demand · diskret (§ 18 ZivMediatG)

Fazit: Konfliktmanagement ist Führungsarbeit mit Plan

Viele Unternehmen kennen im Konflikt nur zwei Knöpfe: ignorieren oder eskalieren. Gutes Konfliktmanagement hat mehr als zwei Knöpfe. Es beginnt mit klaren Rollen und einer Kultur, in der Spannungen früh angesprochen werden. Es folgt einem Ablauf in fünf Schritten. Und es kennt die eigenen Grenzen und weiß, wann jemand von außen dazukommt.

Wenn du nur eine Sache mitnimmst: Kläre heute, wer in deinem Unternehmen die Anlaufstelle ist, wenn die Führungskraft selbst Partei ist. Diese eine Antwort erspart später viel Streit.

Buchtipps zum Konfliktmanagement

Quellen

* Mit einem Sternchen markierte Links sind Amazon-Affiliate-Links. Kaufst du darüber ein Buch, bekomme ich eine kleine Provision. Für dich bleibt der Preis gleich.

Häufige Fragen

Was ist Konfliktmanagement?

Konfliktmanagement umfasst alle Maßnahmen, mit denen Konflikte erkannt, eingeordnet, bearbeitet und nachhaltig gelöst werden. Dazu gehören präventive Instrumente wie Feedbackkultur und klare Rollen und kurative wie Klärungsgespräch, Moderation und Mediation.

Was versteht man unter betrieblichem Konfliktmanagement?

Betriebliches Konfliktmanagement ist der geregelte Umgang mit Konflikten in einem Unternehmen. Es legt fest, wer bei Spannungen zuständig ist, welche Verfahren es gibt und ab wann externe Unterstützung wie Mediation hinzugezogen wird.

Welche Schritte hat Konfliktmanagement?

Der Ablauf folgt meist fünf Schritten: Konflikt erkennen, Konflikt einordnen, Setting klären, Konflikt bearbeiten und nachhalten. Die meisten Fehler passieren beim Einordnen, weil davon abhängt, welches Verfahren passt.

Wer ist im Unternehmen für Konfliktmanagement zuständig?

In erster Linie die Führungskraft. Unterstützung kommt von HR, Betriebsrat und internen Konfliktlotsen. Ist die Führungskraft selbst Partei oder der Konflikt ab Glasl-Stufe 4 eskaliert, braucht es eine neutrale Person von außen.

Was ist der Unterschied zwischen Konfliktmanagement-Methoden und -Modellen?

Modelle wie Glasl, Thomas-Kilmann oder das Harvard-Konzept erklären, wie Konflikte entstehen und verlaufen. Methoden wie aktives Zuhören, Fragetechniken oder Mediation sind die Werkzeuge, mit denen du Konflikte bearbeitest.

Was ist ein Konfliktmanagementsystem?

Ein Konfliktmanagementsystem verbindet einzelne Instrumente zu einem geregelten Ganzen: Anlaufstellen, Verfahren für unterschiedliche Eskalationsstufen, klare Regeln, wer ein Verfahren anstößt, und Zugang zu externer Mediation.

Wann braucht ein Unternehmen externe Hilfe im Konflikt?

Wenn alle internen Ansprechpartner Partei sind, die Beteiligten nur noch übereinander reden oder frühere Klärungsgespräche nichts verändert haben. Dann ist eine externe Mediation meist der schnellere Weg.

Autor

Melanie Berger

Ich bin Melanie Berger, eingetragene Wirtschaftsmediatorin in Wien und Autorin von „Bulldozer und Erklärbär“.


Seit 2020 löse ich Konflikte in Unternehmen im DACH-Raum: fast 100 gelöste Fälle, in über 95 % davon eine Lösung, über 500 Führungskräfte trainiert und gecoacht. Davor über 30 Jahre in Vertrieb, Controlling, kaufmännischer Leitung und IT-Projekten. In meiner Freizeit gibt es Tanzen, Training und Garten (der Garten verliert meistens).

Steckst du gerade in einem Konflikt? Im kostenlosen Konflikt-Workshop findest du in 25 Minuten selbst heraus, wo er steht.

Konfliktmanagement-trainings

mit Melanie Berger

Besser gelöste Konflikte bedeuten mehr Erfolg. In zwei Tagen zu erfolgreicheren Projekten und zufriedeneren Mitarbeitern.

Konfliktmanagementtrainings

mit Melanie Berger

Besser gelöste Konflikte bedeuten mehr Erfolg. In zwei Tagen zu erfolgreicheren Projekten und zufriedeneren Mitarbeitern.

Verwandte Beiträge

Weitere Beiträge

Fallstudien

>