Kompromisse eingehen ist fatal: 6 Strategien, mit denen du bessere Lösungen findest - Wirtschaftsmediation Melanie Berger

Kompromisse sind kastrierte Lösungen. Wenn du diesen Satz fühlst, ist dieser Beitrag für dich. Der viel beschworene Kompromiss und die hochgelobte Kompromissbereitschaft sind nämlich schlechter als ihr Ruf. Und deshalb ist es dringend notwendig, darüber zu sprechen, denn Kompromisse eingehen ist fatal: Hier also 6 Strategien, mit denen du bessere Lösungen findest.

Warum sind Kompromisse oft keine gute Idee?

Kompromisse sind nicht immer die beste Lösung. In der Tat können sie oft dazu führen, dass niemand wirklich zufrieden ist und die Probleme weiterhin schwelen. Warum? Weil Kompromisse oft bedeuten, dass keiner der Beteiligten wirklich das bekommt, was er will. Stattdessen setzen sich halbgare Lösungen durch, die weder Fisch noch Fleisch sind.

  • Bist du jemals einen Kompromiss eingegangen und hast dich danach gefragt, ob es nicht eine bessere Lösung gegeben hätte?
  • Was wäre passiert, wenn du einen anderen Weg eingeschlagen hättest?

1. Interessen statt Positionen verhandeln

Eine der effektivsten Methoden, um bessere Lösungen zu finden, ist das Verhandeln von Interessen anstatt von Positionen. Positionen sind oft starr und führen zu einem „entweder-oder“-Denken. Interessen hingegen sind flexibler und ermöglichen kreative Lösungen.

Mehr Input dazu, wie du mit Interessen (und Bedürfnissen) Kompromisse besser löst, erläutere ich in meinen Beiträgen über das Harvard-Konzept und das Eisbergmodell (und im nächsten Abschnitt).

Beispiel: Wenn zwei Kollegen sich darüber streiten, wer das letzte Stück Kuchen bekommt, besteht ihre Position (also das, worum es im Streit auf den ersten Blick geht) darin, den Kuchen zu wollen. Ihre Interessen könnten jedoch darin bestehen, etwas Süßes zu genießen oder einen besonderen Anlass zu feiern. Mit diesem Wissen könnten sie eine Lösung finden, bei der beide zufrieden sind – vielleicht, indem sie noch etwas anderes Süßes finden oder einfach mal eine Flasche Sekt zur Feier aufmachen (Prost!).

Ein Kompromiß ist dann vollkommen, wenn alle unzufrieden sind. (Un compromis est parfait lorsque tous sont mécontents.)

Aristide Briand

Französischer Politiker

2. Das Eisbergmodell nutzen

Konflikte haben oft tiefere Ursachen, die nicht sofort sichtbar sind. Das Eisbergmodell hilft, diese tieferen Ebenen zu erkennen und zu adressieren. Oberflächlich geht es vielleicht um eine konkrete Aufgabe oder ein Ziel, aber darunter liegen oft emotionale Bedürfnisse und persönliche Werte.

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Beispiel: Alex, ein leitender Softwareingenieur, vermeidet Konflikte, weil er glaubt, sie seien unnötig und belastend. Doch tieferliegend hat er ein starkes Harmoniebedürfnis und Angst vor Ablehnung. Wenn er seine Bedürfnisse kennt, kann er leichter Wege finden, Konflikte konstruktiver zu lösen - das kann zum Beispiel gelingen, indem er die Person von der Sache trennt, wie im Harvard-Konzept vorgesehen, oder sich in gewaltfreier Kommunikation übt - beides hilfreiche Techniken, die sich darauf fokussieren, die Beziehung zwischen Konfliktparteien zu schonen.

3. Offene Kommunikation fördern

Offene und ehrliche Kommunikation ist der Schlüssel zu besseren Lösungen. Oftmals vermeiden Menschen, ihre wahren Gedanken und Gefühle auszudrücken, aus Angst, den anderen zu verletzen oder abgelehnt zu werden. Das macht die Sache jedoch meistens nicht besser.

Diese Ängste rühren meist aus bereits gemachten Erfahrungen und es wird die Umwelt dafür verantwortlich gemacht (weil das halt einfach so ist). Dabei haben die meisten Menschen einfach nie gelernt, ihre Bedürfnisse angemessen auszudrücken. Die Welt wäre wohl eine bessere, wenn mehr Menschen das könnten. Welche Techniken dabei helfen, liest du übrigens hier.

Tipp: Schaffe eine Atmosphäre, in der sich jeder sicher fühlt, seine Meinung zu äußern. Stelle offene Fragen und höre aktiv zu, ohne sofort zu urteilen oder zu unterbrechen.

Kompromisse eingehen ist fatal: 6 Strategien, mit denen du bessere Lösungen findest - Wirtschaftsmediation Melanie Berger

4. Kreative Problemlösungen

Manchmal erfordert eine gute Lösung Kreativität. Das bedeutet, über den Tellerrand hinauszuschauen und unkonventionelle Ansätze zu erwägen. Gerade das ist aber in festgefahrenen Situationen meistens schwer. Deshalb ist es sinnvoll, dass du ein paar Kreativitätstechniken auf Lager hast, die du im Notfall aus dem Hut zaubern kannst.

Beispiel: Bei einem Projekt zur Softwareentwicklung stellte sich heraus, dass die herkömmlichen Methoden nicht (mehr) zum gewünschten Erfolg führten, viele Funktionen konnten einfach nicht abgebildet werden. Durch ein Brainstorming entdeckte das Team eine neue Programmiersprache, die besser geeignet war und das Projekt schließlich - verzögert, aber doch - voranbrachte.

Kompromisse eingehen ist fatal: 6 Strategien, mit denen du bessere Lösungen findest - Wirtschaftsmediation Melanie Berger

Ach ja, noch zum Thema Brainstorming: Diese Technik kennt zwar fast jeder, sie hat aber auch Schwächen, wie du hier erfährst. Sie ist also nicht immer die erste Wahl.

5. Externe Unterstützung in Anspruch nehmen

Es kann sehr hilfreich sein, externe Unterstützung hinzuzuziehen, sei es in Form eines Mediators, Coaches oder Beraters. Diese Personen bringen eine neutrale Perspektive und unterstützen euch dabei, festgefahrene Situationen schnell zu lösen. Sie bringen meistens ein völlig neues Prozess- und Methodenverständnis mit, was hilfreich ist.

6. Fokus auf Win-Win-Lösungen

Eine Win-Win-Lösung anzustreben bedeutet, nach Möglichkeiten zu suchen, bei denen alle Beteiligten gewinnen. Wenn du deine Hausaufgaben in Sachen Kreativität gemacht hast (und es schaffst, gemeinsam mit den Beteiligten überhaupt dorthin zu kommen, ohne dass ihr euch die Köpfe einschlagt), hast du meistens schon gewonnen. In fast jedem Konflikt gibt es eben nicht nur Lösung A oder B, sondern auch C, D, E, F und G.

Das erfordert jedoch etwas Geduld und die Bereitschaft, wirklich zuzuhören und zu verstehen, was jeder will und braucht. Und vielleicht auch die Kenntniss einiger hilfreicher Modelle.

Fazit

Kompromisse können manchmal notwendig sein, aber sie sind selten die beste Lösung, weil sie bei den Beteiligten immer das schale Gefühl des Verloren-habens hinterlassen. Durch das Verhandeln von Interessen, das Erkennen tieferliegender Bedürfnisse, offene Kommunikation, kreative Problemlösungen, externe Unterstützung und das Streben nach Win-Win-Situationen kannst du bessere und nachhaltigere Lösungen finden.

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