Mediation kultureller Konflikt

Ich werde oft gerufen, wenn schon die Fetzen fliegen - diesmal in einem internationalen Projekt. Die Zusammenarbeit zwischen zwei Teams aus unterschiedlichen Ländern lief ziemlich eckig. Missverständnisse und Kommunikationsprobleme häuften sich und das Projekt drohte stillzustehen (ging ja auch nur so um 15 Milliönchen). Neugierig, wie das gelöst wurde?

Die Ausgangssituation

Ein multinationales Unternehmen, das Büros in verschiedenen europäischen Ländern hat, stand vor einer großen Herausforderung. Ein wichtiges Projekt erforderte eine enge Zusammenarbeit zwischen einem deutschen und einem französischen Team.

Die anfängliche Begeisterung (yeah, Baguette, oh-la-lah, Sauerkraut!) wich schnell einer zunehmenden Frustration, als kulturelle Unterschiede die Kommunikation erschwerten und Missverständnisse den Projektfortschritt behinderten.

Inzwischen bestand ein Hauptteil der Kommunikation daraus, dass ein Team dem anderen zu beweisen versuchte, warum sie im Unrecht seien.

Es gab aber noch eine andere Herausforderung (diesmal für mich): die Sprache. Das Team kommunizierte oft in Französisch - als Schweizerin mir natürlich (vor langer Zeit) sehr geläufig, aber viel zu schwach, um zu mediieren. Wir haben uns dann auf Englisch geeinigt, was auch die Konzernsprache war (gerade nochmal davongekommen :-)).

Der Konflikt

Die deutschen Teammitglieder pflegten eine direkte und effiziente Art, Probleme anzugehen und Lösungen zu finden. Die französischen Kollegen bevorzugten jedoch einen eher zurückhaltenden und konsensualen Ansatz und transportierten viel Information über andere Kanäle als Sprache.

Dazu gibt es einen super Artikel bei connexion-emploi.com zum Thema - sie sprechen von High-Context und Low-Context Kulturen.

Fallstudie: Erfolgreiche Mediation in einem kulturellen Konflikt - Wirtschaftsmediation Melanie Berger

Quelle: connexion-emploi.com

Diese - kulturell bedingten - unterschiedlichen Kommunikationsstile führten zu Spannungen und schließlich zu einem Mangel an Vertrauen. Die Situation eskalierte endgültig, als wichtige Deadlines verpasst wurden und das Projekt ins Stocken geriet. Mehr über kulturelle Konflikte in Unternehmen kannst du übrigens hier erfahren.

Kulturelle Hürden

Deutsche Kommunikation:

  • Direkte und explizite Kommunikation
  • Kritik wird offen geäußert und ist oft sachlich
  • Effizienz und Klarheit stehen im Vordergrund
  • Der Versuch der Franzosen, eine für Deutsche fast zu intime Beziehung aufzubauen, wird als übergriffig empfunden

Französische Kommunikation:

  • Indirekte und implizite Kommunikation
  • Kontext und zwischenmenschliche Beziehungen sind wichtig
  • Kritik wird diplomatisch verpackt, oft mit nonverbalen Signalen
  • Die Deutschen werden als kalt und distanziert empfunden

Die Deutschen empfanden die Franzosen als zu vage und ineffizient, während die Franzosen die Deutschen als zu direkt und rücksichtslos wahrnahmen.

Die Mediation

Da weder die deutschen noch die französischen Kollegen den Konflikt allein lösen konnten, wurde ich als Mediatorin eingeschaltet, um zu helfen. Es war meine erste Mediation in so einem Kontext. Da ich aber kaltes Wasser - im übertragenen Sinn - liebe und die Mediation sich eher auf den Konfliktlösungsprozess als auf den Inhalt konzentriert, habe ich die Herausforderung angenommen.

Die ersten Schritte

Ich begann mit Einzelgesprächen, um die Perspektiven und Bedürfnisse beider Teams zu verstehen und die skeptischeren Teammitglieder besser ins Boot holen zu können.

Durch diese Gespräche konnte ich die Hauptprobleme identifizieren: fehlendes Verständnis für die kulturellen Unterschiede und unzureichende Kommunikationsstrategien. Außerdem kamen wichtige Bedürfnisse zutage:

  • Deutsches Team: Effizienz, klare Kommunikation, direkte Rückmeldungen, professionelle Distanz
  • Französisches Team: Konsens, höfliche Kommunikation, Wertschätzung, Beziehungsaufbau

Aber nicht nur das - beiden Teams war der Projekterfolg enorm wichtig. O-Ton deutscher Projektleiter: "Sonst würde ich mir das mit dieser Mediation sicher nicht antun". Ich denke, der französische Gegenpart dachte etwas Ähnliches, war aber zu diplomatisch, um es zu kommentieren...

Fallstudie: Erfolgreiche Mediation in einem kulturellen Konflikt - Wirtschaftsmediation Melanie Berger

Die Mediation in Aktion

Ich brachte die beiden Teams also zusammen - diesmal virtuell, wegen der unterschiedlichen Standorte. Eine besonders aufschlussreiche Intervention bestand darin, typische Arbeitsszenarien aus beiden Kulturen zu simulieren. Dies verdeutlichte schnell, wie unterschiedlich ihre Arbeitsweisen waren und welche Bedürfnisse nicht erfüllt wurden. Außerdem amüsierten sich die Beteiligten am Ende köstlich - und wer lacht, ist entspannter (ja, in meinen Mediationen wird durchaus auch gelacht, denn Konflikte und menschliches Verhalten sind zuweilen absurd und unlogisch).

Bedürfnisse ansprechen und Lösungsansätze entwickeln

Es war entscheidend, dass beide Teams ihre Bedürfnisse klar artikulieren konnten. Durch gezielte Fragen und das moderierte Gespräch schuf ich einen Raum, in dem diese Bedürfnisse besprechbar wurden:

  • Das deutsche Team äußerte den Wunsch nach mehr Effizienz und direkter Kommunikation. Sie fühlten sich oft missverstanden und wünschten sich klarere Aussagen, an denen sie sich orientieren konnten.
  • Das französische Team betonte die Bedeutung von Höflichkeit und Konsens. Sie fühlten sich durch die direkte Art der Deutschen oft übergangen und nicht wertgeschätzt - sie empfanden viele Äußerungen schlicht als rüde.

Die ausgangspunkte für kulturelle einsichten sind ein gutes Gefühl und ein offenes Herz.

Beate Antonie Tröster

Interkulturelle Trainerin und Beraterin

Die Lösung

Durch die Mediation lernten die deutschen und französischen Kollegen, die Perspektiven und Arbeitsweisen des jeweils anderen Teams besser zu verstehen und zu schätzen. Hier einige konkrete Lösungsansätze, die wir gemeinsam erarbeiteten:

  • Für das deutsche Team: Sie begannen, ihre Rückmeldungen diplomatischer zu formulieren und nahmen sich Zeit, ihre Botschaften so zu gestalten, dass sie für ihre französischen Kollegen verständlicher und respektvoller wirkten - wir haben dann später ein Training in gewaltfreier Kommunikation gemacht, das laut den Beteiligten nach der Anwendung zu deutlicher Entspannung führte.
  • Für das französische Team: Sie bemühten sich, direkter und klarer zu kommunizieren, um den Erwartungen ihrer deutschen Kollegen gerecht zu werden, ohne dabei ihre eigene Kommunikationskultur zu verlieren. Insbesondere messbare Vereinbarungen (Zeit, Ort, genaue Beschreibungen, etc.) wurden deutlicher in den Fokus gestellt.
  • Gemeinsame Maßnahmen
    • Einführung eines alle drei Monate stattfindenden Treffens, abwechseln in Deutschland und Frankreich, um die Welt des anderen besser zu verstehen - hier standen vor allem Aktivitäten ausserhalb der Arbeit im Fokus.
    • Trainings (zu GFK und interkultureller Sensibilität)
    • Etablierung eines strukturierten Kommunikationsprotokolls
Fallstudie: Erfolgreiche Mediation in einem kulturellen Konflikt - Wirtschaftsmediation Melanie Berger

Das Ergebnis

Die Zusammenarbeit verbesserte sich deutlich. Die Teams konnten Deadlines einhalten, das Projekt erfolgreich abschließen und das Arbeitsklima wurde erheblich harmonischer. Besonders hervorzuheben ist, dass die Mediation durch die beschlossenen Maßnahmen dazu beitrug, ein neues Verständnis und eine neue Wertschätzung für die jeweils andere Kultur zu entwickeln.

Mehrwert der Mediation

Die Mediation brachte mehrere entscheidende Vorteile:

  1. Klarheit und Verständnis: Durch die strukturierte Gesprächsführung wurden Bedürfnisse und Erwartungen transparent gemacht.
  2. Neue Kommunikationsstrategien: Beide Teams entwickelten neue Wege, um ihre Botschaften klar und respektvoll zu vermitteln.
  3. Vertrauen und Wertschätzung: Die Teams lernten, die Stärken und kulturellen Unterschiede des anderen zu schätzen, was zu einem harmonischeren Arbeitsumfeld führte.
  4. Langfristige Verbesserungen: Die eingeführten interkulturellen Trainings und Kommunikationsprotokolle stellten sicher, dass zukünftige Projekte von Anfang an reibungsloser verlaufen.

Allgemeiner Hinweis zu veröffentlichten Fallstudien

Meine Schweigepflicht ist etwas, das ich sehr ernst nehme. Die Fallstudien auf meiner Webseite werden deshalb so abgeändert, dass das Unternehmen nicht mehr erkennbar ist und der Artikel wird erst und ausschließlich nach der schriftlichen Freigabe durch den jeweiligen Klienten veröffentlicht.

Fazit

Kulturelle Missverständnisse können eine Herausforderung sein, aber sie sind nicht unüberwindbar, auch wenn sie gelegentlich in eine Sackgasse führen. Mediation und interkulturelles Training sind wertvolle Werkzeuge, um solche Konflikte zu lösen. Also, wenn du das nächste Mal auf kulturelle Barrieren stößt, denk an diese Fallstudie - vielleicht kannst du ja einige der Maßnahmen auch für dich anwenden.

Konfliktmanagementtrainings

mit Melanie Berger

Besser gelöste Konflikte bedeuten mehr Erfolg.

In zwei Tagen zu erfolgreicheren Projekten und zufriedeneren Mitarbeitern.

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