a man in a robe with a woman lying on it

Manchmal sind Konflikte wie ein Theaterstück, bei dem jeder brav seine Rolle übernimmt. Diese Rollen sind Teil vom Drama-Dreieck in Konflikten, ein Modell, das uns hilft, die Dynamiken in Konflikten besser zu verstehen: Verfolger, Retter und Opfer. Vielleicht erkennst du dich ja in einer dieser Rollen wieder?

Das Drama-Dreieck erklärt

Das Drama-Dreieck ist ein Konzept, das von dem Psychiater Dr. Stephen Karpman entwickelt wurde. Es beschreibt drei Rollen, die Menschen oft in Konfliktsituationen einnehmen: den Verfolger, den Retter und das Opfer. Diese Rollen können wechseln, aber ihre Dynamik bleibt oft bestehen, bis jemand aus dem Dreieck ausbricht. Wichtig zu wissen: Niemand hat ständig die gleiche Rolle, aber oft gibt es eine, die wir bevorzugen und öfter wählen. Übrigens ist das Drama nur eins der 7 wichtigsten Konfliktmanagement Modelle - vielleicht findest du ja noch andere, die für dich hilfreich sind.

Hier der erste Überblick über die Rollen:

Dramadreieck in Konflikten

Die 3 Rollen im Drama-Dreieck in Konflikten

1. Der Verfolger (auch: Täter)

Der Verfolger ist derjenige, der Druck ausübt, kritisiert und oft als der "Bösewicht" im Konflikt wahrgenommen wird. Er weist anderen die Schuld zu und ist selten bereit, Verantwortung für seine eigenen Handlungen zu übernehmen. Verfolger handeln meist aus einem Gefühl der Überlegenheit oder Kontrolle heraus.

Beispiel: Kollege Max ist ständig hinter dir her und kritisiert jede Kleinigkeit an deiner Arbeit. Er gibt dir das Gefühl, nie gut genug zu sein, und du bist ständig unter Stress. Sehrwahrscheinlich ist er gerade in der Täterrolle.

2. Der Retter

Der Retter ist derjenige, der versucht, den Konflikt zu lösen, indem er sich einmischt und anderen hilft, oft ungefragt. Der Retter meint es gut, übernimmt aber häufig die Verantwortung für die Probleme anderer und fühlt sich dadurch gebraucht und wichtig.

  • Beispiel: Deine Kollegin Sabine sieht, wie du von Max kritisiert wirst, und springt sofort ein, um die Situation zu entschärfen. Sie übernimmt einige deiner Aufgaben, damit du weniger Stress hast, obwohl du das gar nicht wolltest.

Das Drama aller Zeiten hat eigentlich nur ein einziges Thema gehabt: die Unfähigkeit der Menschen, miteinander zu leben.

Gerhard Bronner

Komponist, Autor, Musiker und Kabarettist

3. Das Opfer

Das Opfer fühlt sich hilflos, ungerecht behandelt und übernimmt keine Verantwortung für die eigene Situation. Es sucht oft nach einem Retter, bemitleidet sich selbst und beschwert sich über die Umstände, anstatt aktiv eine Lösung zu suchen.

Beispiel: Du fühlst dich durch Max' ständige Kritik entmutigt und überfordert. Du beklagst dich bei Sabine und hoffst, dass sie dir aus der Patsche hilft, anstatt selbst aktiv zu werden.

  • Erkennst du dich in einer dieser Rollen wieder?
  • Wann hast du zuletzt als Verfolger, Retter oder Opfer gehandelt?
  • Was könntest du tun, um aus dieser Rolle auszubrechen?

Wie du aus dem Drama-Dreieck in Konflikten ausbrechen kannst

Jetzt, da du die Rollen im Drama-Dreieck kennst, fragst du dich sicher: Wie kann ich meine Rolle ändern und den Konflikt besser managen? Hier sind gezielte Strategien für jede Rolle, die dir dabei helfen, aus dem Drama-Dreieck auszubrechen, die negative Konfliktspirale zu unterbrechen und eine konstruktivere Herangehensweisezu entwickeln.

Strategien für den Verfolger

Als Verfolger fühlst du dich oft im Recht und neigst dazu, anderen die Schuld zu geben. Um diese Rolle zu überwinden, kannst du Folgendes tun:

  1. Selbstreflexion üben: Frage dich, warum du das Bedürfnis hast, andere zu kritisieren. Was löst dieses Verhalten in dir aus?
  2. Empathie entwickeln: Versuche, die Perspektive der anderen Person zu verstehen. Wie fühlt sie sich? Was sind ihre Bedürfnisse?
  3. Ich-Botschaften verwenden: Statt „Du hast das falsch gemacht“, sagst du, „Ich habe das Gefühl, dass…“. Das reduziert die Konfrontation und öffnet den Raum für einen Dialog. In diesem Artikel lernst du übrigens die Mutter aller Ich-Botschaften kennen - die gewaltfreie Kommunikation.
  4. Verantwortung übernehmen: Akzeptiere, dass auch du Teil des Problems bist. Was kannst du selbst ändern, um zur Lösung beizutragen?

Beispiel: Max könnte anstatt zu sagen „Du hast diesen Bericht wieder falsch gemacht“, sagen, „Ich habe bemerkt, dass im Bericht einige Fehler sind. Wie können wir gemeinsam sicherstellen, dass das nicht wieder passiert?“

Dramadreieck in Konflikten 2

Strategien für den Retter

Der Retter möchte oft helfen, fühlt sich aber am Ende überlastet. Um diese Rolle loszulassen, versuche diese Strategien:

  1. Grenzen setzen: Lerne „Nein“ zu sagen und respektiere deine eigenen Grenzen. Es ist nicht deine Aufgabe, alle Probleme zu lösen (echt nicht!).
  2. Selbstfürsorge praktizieren: Achte auf deine eigenen Bedürfnisse und sorge dafür, dass du genügend Zeit für dich selbst hast, um sie auch zu erfüllen.
  3. Empowerment statt Rettung: Unterstütze andere dabei, ihre eigenen Lösungen zu finden, anstatt die Verantwortung für sie zu übernehmen.
  4. Reflektiere deine Motivation: Warum willst du unbedingt helfen? Welche Bedürfnisse erfüllst du damit bei dir selbst? Ginge das vielleicht auch anders?

Beispiel: Sabine könnte statt sofort einzuspringen und die Arbeit für dich zu erledigen sagen „Ich sehe, dass du Schwierigkeiten mit Max hast. Wie kann ich dich dabei unterstützen, selbst eine Lösung zu finden?“

Strategien für das Opfer

Als Opfer fühlst du dich hilflos und suchst nach einem Retter. Um diese Rolle zu ändern, kannst du folgende Strategien anwenden:

  1. Eigenverantwortung übernehmen: Erkenne, dass du die Kontrolle über deine Reaktionen und Entscheidungen hast. Frage dich: Was kann ich tun, um meine Situation zu verbessern?
  2. Aktiv werden: Statt auf Hilfe von außen zu warten, ergreife selbst die Initiative. Welche Schritte kannst du unternehmen, um den Konflikt zu lösen? Wen könntest du um Hilfe bitten?
  3. Selbstwert stärken: Arbeite an deinem Selbstbewusstsein und deiner Selbstwirksamkeit. Glaube daran, dass du in der Lage bist, Probleme zu lösen.
  4. Kommunikation verbessern: Drücke deine Bedürfnisse und Grenzen klar aus, ohne dich als Opfer zu präsentieren.

Beispiel: Du könntest - anstatt dich bei Sabine zu beklagen - sagen „Max’ Kritik belastet mich sehr. Ich möchte das Gespräch mit ihm suchen und klären, wie wir besser zusammenarbeiten können. Kannst du mir dabei helfen, das Gespräch vorzubereiten?“

  • Welche der genannten Strategien könntest du in deinem Alltag anwenden?
  • Welche Rolle fällt dir am schwersten zu verlassen?
  • Was wäre ein erster kleiner Schritt, um aus dieser Rolle auszubrechen?

Fazit

Das Drama-Dreieck kann dir helfen, die Dynamiken in Konflikten besser zu verstehen und aus ihnen auszubrechen. Indem du Verantwortung übernimmst, besser kommunizierst und Grenzen setzt, kannst du konstruktiver mit Konflikten umgehen. Deshalb: Nächste Woche, wenn dein Kollege Max wieder mal mit seinen Angriffen nervt, denk daran: Du hast zu jedem Zeitpunkt die Macht, deine Rolle zu wählen.

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