a red heart cut out of paper

Während viele von uns versuchen, Konflikten instinktiv aus dem Weg zu gehen, übersehen wir oft, dass Konflikte auch positive Seiten haben (yo, alles im Leben ist Ambivalenz...). Aber nicht nur das, sie sind auch notwendig, um weiterzukommen. Denn wenn alle immer der gleichen Meinung sind, bleibt alles beim Alten. Erst die Differenzen, die auftauchen und sich zuweilen in Konflikten manifestieren, helfen dabei, neue Wege zu gehen. In diesem Artikel erfährst du die 3 wichtigsten Gründe, warum Konflikte für Teams (und alle anderen) so wichtig sind.

Ein Konflikt ist eine Differenz

Ein Konflikt ist zuerst einmal eine Differenz - nicht mehr und nicht weniger. Eine Abweichung von Meinungen, die dazu führt, dass sich eine oder beide Konfliktparteien eingeschränkt fühlen. Er regt dazu an, sich mit Standpunkten, Perspektiven und Argumenten auseinanderzusetzen. Und genau deshalb brauchen alle, die sich verändern wollen oder müssen, Konflikte wie einen Bissen Brot. Denn Konflikte sind nicht nur lästig und unangenehm. Sie bringen uns auch weiter, wenn wir es geschickt machen.

Wie sieht so ein Konflikt im richtigen (Team-)Leben aus?

Stellen wir uns vor, Anna, eine Entwicklerin, schlägt bei einem Teammeeting des Produktentwicklungsteams eine radikale Veränderung der Oberfläche ihrer Software vor. Sie glaubt, dass damit die Interaktion des Kunden massgeblich verbessert werden könne. Lukas ist allerdings skeptisch und argumentiert dagegen - er fürchtet, die Nutzer könnten verwirrt werden und hat Sorge, dass man Kunden verlieren. Anna besteht auf ihren Standpunkt.

Tja, und an diesem Punkt könnte jetzt alles eskalieren - die beiden diskutieren heftig das für und wider, etwa eine Stunde lang, ohne dass einer der beiden nachgibt. Anna ist bereits sichtlich verärgert und Lukas verdreht die Augen. Doch Sarah, die Projektleiterin, lässt nicht locker, obwohl sie es anstrengend findet. Sie weiß aus diversen Trainings und Weiterbildungen in Konfliktmanagement und Führung, dass man das so nicht stehen lassen kann und lässt die beiden weiterdiskutieren. Nur ab und zu stellt sie eine Frage oder zeigt Verständnis.

Aber dann hat Tom, ein jüngeres Teammitglied, plötzlich die entscheidende Idee - durch die Diskussion, die so erbittert geführt wurde, hat er plötzlich Einblick in die unterschiedlichen Perspektiven. Er schlägt also vor, einen Prototypen nur einer ausgewählten Nutzergruppe zur Verfügung zu stellen und die Ergebnisse zeitnah zu evaluieren.

An dieser Geschichte können wir sehen, wie ein Konflikt zu besseren Ergebnissen für alle führt. Hätte sich einer der beiden durchgesetzt oder hätte Sarah eine komplette Eskalation nicht unterbinden können, wäre das für das Projekt wesentlich risikoreicher gewesen.

Auch die Nebeneffekte der Diskussion sind positiv: Das Team hat gelernt, dass es sich lohnt, Konflikte auszuhalten und auszutragen - weil am Ende eine Weiterentwicklung steht. Und ganz nebenbei haben Anna und Tom einen Schritt in ihrer Entwicklung gemacht; sie haben beide ein tieferes Verständnis für den anderen entwickelt und die andere Person dadurch mehr schätzen gelernt.

Es sind also drei positive Effekte, die das Team durch den Konflikt erfahren hat:

1. Konflikte fördern Kreativität und Innovation

Sarah, die Projektleiterin, hat die beiden Beteiligten den Konflikt austragen lassen und nur darauf geschaut, dass die Diskussion nicht zu hitzig wird, in dem sie den Diskussionsprozess geleitet hat. Sie hat immer wieder nachgefragt, wenn ihr etwas unklar schien und Techniken des aktiven Zuhörens verwendet.

Untersuchungen deuten darauf hin, dass ein kooperativer Konfliktmanagementstil des Teamleiters die Innovationsleistung eines Teams erheblich steigern kann (nicht nur, aber insbesondere in Remote-F&E-Teams). Kooperative Ansätze steigern die psychologische Sicherheit in Teams, was wiederum die Innovationsleistung steigert. (MDPI).

Andere Forschungen haben gezeigt, dass ein gewisses Maß an Unzufriedenheit und Konflikt innerhalb von Teams als Katalysator für Innovation fungieren kann. Konflikte stören die bestehende Harmonie und fordern den Status quo heraus, was kritisches Denken und die Suche nach neuen Lösungen stimuliert. Diese Art von kreativer Spannung ermöglicht es, dass vielfältige Perspektiven in Diskussionen einfließen, was zu verbesserten Entscheidungsprozessen und Problemlösungen führt. Dabei ist die Rolle der Führungskraft als Konfliktmanager essenziell - sie muss sicherstellen, dass der Konflikt konstruktiv bleibt und die Teamkohäsion nicht untergräbt (Attorney Aaron Hall).

Außerdem kann das Teilen von Herausforderungen innerhalb des Teams die Kreativität steigern, indem es unterstützende Interaktionen zwischen den Teammitgliedern fördert. Dieser Prozess führt dazu, dass Teammitglieder in einem sicheren Umfeld neue und divergente Ideen einbringen, was die kreative Leistung des gesamten Teams verbessern kann (Frontiers).

2. Konflikte verbessern die Teamdynamik und die Beziehungen im Team

Nichts schweißt so sehr zusammen, wie erfolgreich gelöste Konflikte. Durch die lange Diskussion haben alle Beteiligten gelernt, wie wichtig es ist, Konflikte auszutragen und dass dabei am Ende oft etwas Besseres herauskommt als die ursprünglich vorgeschlagenen Lösungen aus nur zwei Perspektiven. Zusätzlich hat das Team Vertrauen ineinander und in die Fähigkeit, gemeinsam Probleme zu lösen, bekommen. Die Angst vor Eskalationen, wenn zwei mal nicht einer Meinung sind, ist im Team gesunken.

Die praktischen Implikationen dieser Erkenntnisse sind bedeutend für Führungskräfte und Teams. Das Verständnis der Natur von Konflikten und die Anwendung der richtigen Konfliktmanagementmethoden können Teams helfen, das innovative Potenzial ihrer Meinungsverschiedenheiten zu nutzen, ohne in störende persönliche Konflikte zu verfallen. Dieses Gleichgewicht ist entscheidend für die Aufrechterhaltung der Produktivität und die Förderung einer kreativen und kollaborativen Teamumgebung (Emerald Insight).

3. Konflikte fördern persönliche Entwicklung und Reife

Vor diesem Konflikt hatte Anna immer Angst. Sie wusste, dass Lukas ihre Idee nicht gutheissen würde. Einige Tage vor dem Meeting war sie in großer Sorge und erwog, ihre Idee gar nicht einzubringen. Da sie aber wusste, dass Sarah die Gruppe ohnehin um ihre Meinung bitten würde und sie sich dann nicht zurückhalten können würde, entschied sie sich, ihren Standpunkt - trotz ihrer Angst - zu vertreten.

Am Ende hat es sich gelohnt. Anna hat gemerkt, dass ihre Angst, auch wenn die Diskussion mit Lukas ziemlich schwierig für sie war, unbegründet ist. Sie kann in künftigen Konflikten durch dieses positive Konflikterlebnis (das nicht zuletzt Sarahs professioneller Führung zu verdanken ist) jetzt mutiger und selbstsicherer auftreten.

Studien zeigen, dass durch die Konfrontation und das erfolgreiche Navigieren durch Konflikte Personen ihre Ängste überwinden und resilienter in zukünftigen herausfordernden Situationen werden. Das durch Konflikte induzierte Stressniveau kann eine Art „post-traumatische Wachstumsreaktion“ hervorrufen, bei der Individuen aus schwierigen Erfahrungen gestärkt hervorgehen.

Es wird vermutet, dass Konflikte - wenn sie gut gemanagt werden - zur persönlichen Entwicklung beitragen. Konflikte fordern Mitarbeiter heraus, über ihre eigenen Sichtweisen hinaus zu denken und alternative Perspektiven zu berücksichtigen, was die sozialen Fähigkeiten und die emotionale Intelligenz fördert (SciMed Journal).

Durch die Unterstützung einer fähigen Führungskraft wie Sarah, die eine offene und unterstützende Atmosphäre fördert, können solche Konflikte zu wertvollen Lern- und Wachstumsmöglichkeiten werden. Dies hilft nicht nur den einzelnen Mitarbeitern, sondern stärkt auch die Teamdynamik und die Gesamteffizienz des Teams (SAS Publishers)

Nicht alle Konflikte sind hilfreich, aber fast

Nicht jeder Konflikt ist hilfreich - manche Konflikte können ganz schön destruktiv werden. Ein Ansatz zur Unterscheidung der beiden ist, sie in kognitive und affektive Konflikte zu unterscheiden.

  • Kognitive Konflikte, die Meinungsverschiedenheiten über Ideen oder Aufgaben beinhalten, können sich positiv auf Innovation auswirken, da sie verschiedene Sichtweisen und Lösungen fördern.
  • Affektive Konflikte hingegen, die mehr mit persönlichen Angelegenheiten und Emotionen zu tun haben, tendieren dazu, negative Auswirkungen zu haben.

Kognitive Konflikte eskalieren meistens hin zu affektiven Konflikten, wo die Sache schließlich in den Hintergrund rückt. Die Kunst gelungenen Konfliktmanagements ist also, den kognitiven Konflikt früh genug konstruktiv zu lösen.

Sind bereits affektive Anteile vorhanden, können diese jedoch nicht einfach negiert werden. Die Idee, sachlich zu bleiben, ist in solchen Fällen weit verbreitet, hilft jedoch nicht weiter, wenn die Emotionen bereits hochkochen. In diesem Fall sind die Emotionen und Bedürfnisse ebenso anzusprechen und aufzulösen, bevor der Ursprungskonflikt weiter bearbeitet werden kann.

Fazit

Konflikte regen zur Auseinandersetzung mit verschiedenen Standpunkten an. Diese Vielfalt an Perspektiven kann zu kreativeren und innovativeren Lösungen führen, als wenn Entscheidungen konfliktfrei und aus einer einzigen Perspektive heraus getroffen werden. Konflikte in Teams (hier findest du weitere Aspekte zum Thema Teamkonflikte) sind oft unvermeidlich, können aber auch eine Quelle wertvoller Entwicklungen sein. Sie fördern nicht nur Kreativität und Innovation, indem sie uns zwingen, über den Tellerrand zu blicken und verschiedene Perspektiven zu beachten, sondern sie verbessern auch die Teamdynamik und stärken Beziehungen, sobald sie erfolgreich gelöst werden. Darüber hinaus tragen sie zur persönlichen Entwicklung bei, indem sie die Beteiligten herausfordern, ihre Ängste zu überwinden und neue Fähigkeiten zu erlernen.

Für Teams und insbesondere für Führungskräfte ist es entscheidend, ein Umfeld zu schaffen, in dem Konflikte konstruktiv und offen angegangen werden können. Die richtige Balance zwischen Konflikt und Harmonie zu finden, ist eine Kunst, die durch gezieltes Konfliktmanagement und eine Kultur der offenen Kommunikation gefördert werden kann. Letztlich sind es diese herausfordernden Momente, die Teams die Möglichkeit bieten, über sich hinauszuwachsen und außergewöhnliche Ergebnisse zu erzielen.

Quellen

  • Yin, J., Qu, M., Li, M., & Liao, G. (2022). Team Leader's Conflict Management Style and Team Innovation Performance in Remote R&D Teams—With Team Climate Perspective. Sustainability, 14(17), 10949. https://doi.org/10.3390/su141710949
  • Aaron Hall. (n.d.). The Power of Conflict: Fueling Creativity in Teams. Aaron Hall Website
  • Bastian, B., Jetten, J., Thai, H. A., & Steffens, N. K. (2018). Shared Adversity Increases Team Creativity Through Fostering Supportive Interaction. Frontiers in Psychology. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2018.02309.
  • Sun, M., He, K., & Wen, T. (2023). The Impact of Shared Leadership on Team Creativity in Innovation Teams—A Chain Mediating Effect Model. Sustainability, 15(2), 1212. https://doi.org/10.3390/su15021212.


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