Du streitest gerne? Dann sind diese Konfliktlösungsstrategien nichts für Dich

Konfliktlösungsstrategien

Konfliktlösungsstrategien helfen

Dein Gesprächspartner geht Dir auf die Nerven. Seine Argumente haben weder Hand noch Fuß. Am liebsten würdest Du aufstehen und gehen oder Schlimmeres. Blöd ist, wenn von diesem Gesprächspartner wichtige Entscheidungen, Projekte oder Dein berufliches Schicksal abhängen. In diesem Fall gibt es einige Konfliktlösungsstrategien, die Du für Dich nützen kannst.

In jedem Fall gilt: Deeskalation ist eine gute Idee. Weitere Eskalationen eines Konflikts bringen nichts außer mehr Schaden. Ein Konflikt ist nämlich nichts anderes als eine Information. Eine Information darüber, dass etwas verändert werden muss. Weiter zu streiten macht es schwieriger, aus dieser Information die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Beschäftigen wir uns also damit, wie Du weniger streitest und die Information - also den Konflikt schneller nützen kannst.



1. Analysiere den Konflikt

Überleg, warum der oder die andere so agiert, wie er oder sie es tut. Dazu kannst Du Dir folgende Fragen stellen:

  • Was ist die Konfliktursache? (Hier findest Du die 8 häufigsten Konfliktursachen in Unternehmen)
  • Welche Gründe hat er oder sie?
  • Welche Bedürfnisse stehen dahinter?
  • Mit welchen Rahmenbedingungen ist die andere Konfliktpartei konfrontiert, die sie nicht ändern kann?
  • Ändert das etwas für Dich?
  • Wie sieht das umgekehrt bei Dir aus?

Dieses strukturierte "Hinter-die-Kulissen-schauen" kann den Blickwinkel und die Handlungsoptionen erweitern und ist ein wichtiger Schritt in Richtung "bessere Konfliktlösungsstrategien".

2. Bereite Dich vor

Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Die meisten von uns sind aus Zeitmangel schon einmal völlig planlos in eine Besprechung gegangen. Das ist kein Beinbruch, das passiert. Wenn es aber um Konflikte geht, kann sich das sehr unangenehm auswirken.

Ich erlebe immer wieder, dass Konfliktparteien schlecht vorbereitet in Gespräche gehen. Schlechte Vorbereitung zeigt sich in unzähligen Formen: Sie kennen etwa ihren wirtschaftlichen Spielraum nicht und haben deshalb keine Ahnung, was möglich ist. Die Fragen, die es zu klären gilt, sind im Unternehmen nie gestellt worden und belastbares Zahlenmaterial fehlt. Oder es werden unbedachte E-Mails geschrieben, die den Konflikt weiter anheizen. Bereite Dich deshalb auf ein konfliktbehaftetes Gespräch so vor wie auf ein wichtiges Verkaufs- oder Vorstellungsgespräch.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, durch schlechte Vorbereitung die Karre an die Wand zu fahren. Also überleg Dir, was Du alles wissen musst, um auf ein Gespräch mit dem Gegenüber gut vorbereitet zu sein.

  • Sind es wirtschaftliche Faktoren, die wichtig sind?
  • Geht es um Eure Beziehung?
  • Musst Du andere Informationen sammeln?
  • Sind strategische Überlegungen ein Thema?

Kannst Du den Konflikt vielleicht sogar nützen, um langfristige Ziele zu erreichen? Willkommen in der Königsklasse! Wie diese Liste bei Dir aussieht, weißt Du selber am besten. Setz Dich in Ruhe mit Stift und Papier hin und schreib einmal alles auf.

3. Schau auf Dich

Nicht nur die Vorbereitung im Bezug auf den Konflikt ist wichtig, Du kannst außerdem einige Dinge tun, die Dir helfen werden, mit Konflikten mittelfristig besser umzugehen. So hebst Du Deine Konfliktlösungsstrategien auf das nächste Level:

  1. Versuch, Deine Gefühle zu verstehen und in den Griff zu bekommen. Dabei ist das Ziel nicht, sie "wegzumachen" - Wut, Angst und andere sind genauso wie Dein Konflikt Informationen, die wichtig sind. Das Ziel ist, Deine Gefühle so zu steuern und auszudrücken, dass Du Dir damit nicht schadest. Gefühle werden übrigens durch Gedanken verursacht. Also: Welchen Gedanken hast Du und welches Gefühl löst das aus? Sich über diese Vorgänge bewusst zu werden, hilft, Gefühle konstruktiver einzubringen. Du darfst ruhig sagen, wenn Du Dich ärgerst, die Art und Weise ist entscheidend.
  2. Relativiere: Frag Dich, wie wichtig das Thema in fünf Jahren noch sein wird. Wie wirst Du dann darüber denken? Ist das Thema so wichtig, dass Deine größeren Ziele dadurch beeinflusst werden können? Dazu übrigens sehr schön von Vera Birkenbihl in einem Video das Konzept des Fixsterns (ab 03:30). Größere Ziele können persönliche, aber auch strategische Ziele der Organisation sein. Wenn Du sie hast, kannst Du mit kleineren Konflikten viel gelassener umgehen.
  3. Stärke Deine psychische Widerstandsfähigkeit: Sport, frische Luft und der Austausch mit Freunden können Wunder wirken.
  4. Mittelfristig wirken auch Konflikt- und Kommunikationstrainings sehr gut. Das Konzept der gewaltfreien Kommunikation ist weit verbreitet und eines von vielen Tools, das Deine Kommunikation verbessern kann. So kannst Du dafür sorgen, dass weniger Missverständnisse und damit auch weniger Konflikte entstehen. (Von Schopenhauers "die Kunst, Recht zu behalten" rate ich in diesem Zusammenhang eher ab :-)).

4. Erarbeite Verhandlungsspielraum

Wenn Du mit den gleichen Argumenten und Strategien in ein Gespräch gehst, dass schon einmal schief gelaufen ist, lassen es lieber. "Mehr vom Gleichen" führt in der Regel nicht zu "mehr von dem was ich will". Vielmehr solltest Du Dir überlegen, welche Nebenschauplätze und zusätzlichen Angebote Euch gemeinsam weiter bringen könnten. Gibt es etwas, was Du abseits des Konfliktthemas anbieten kannst oder gerne hättest, so dass ein Tausch stattfinden kann? Kannst Du das Spielfeld erweitern?

In Mediationen wird das regelmäßig gemacht und funktioniert. So hebst Du das Gespräch auf eine konstruktive Ebene und kommst aus der Sackgasse.

5. Keine Drohungen

Weil ich aktuell beobachte, dass sehr schnell auf rechtlicher Ebene argumentiert wird: Rechtliche Drohgebärden sind nicht hilfreich. Lass' Dich vom Gegenüber nicht dazu verleiten. Eine sehr beliebte Form davon ist "mein Anwalt sagt, dass ich recht habe". Das Ganze wird üblicherweise ergänzt mit einer ausführlichen Erläuterung der eigenen Rechtsposition in schwer verständlicher Sprache. Viele Menschen empfinden rechtliche Argumentationen als einschüchternd oder bedrohlich. Deshalb ist das DIE Gelinggarantie für die Konflikteskalation.

Nicht zu drohen ist aber nicht genug: Bleib unter allen Umständen höflich. Auch wenn Du Dich innerlich total ärgerst, ist Höflichkeit ein erstes Signal des Respekts und der Bereitschaft, zivilisiert zusammenzuarbeiten.

6. Drück die Stopptaste

So wie damals am Walkman (was, Du hattest keinen? Ich glaube, Du bist zu jung, um überhaupt zu streiten :-)). Wenn Du in einem Gespräch merkst, dass alles außer Kontrolle gerät, bitte Sie freundlich um eine spätere Fortsetzung oder schlag eine Pause vor. Ein paar Schritte an der frischen Luft ändern die Dinge ebenfalls. Dir fallen sicher auch noch andere Möglichkeiten ein.

Verschieberitis ist hier erlaubt: Du musst nicht auf alles sofort antworten, und darfst sogar Schweigen. Du darfst Dir Bedenkzeit herausnehmen und eine Entscheidung auf später verschieben, wenn das die Situation erlaubt. Auch wenn Du die größte Lust hast, zu eskalieren: Denk daran, dass jede Eskalation das Risiko von enormen Schäden hat.

7. Hol Dir Unterstützung

Frag jemanden, der sich professionell mit Konfliktlösungsstrategien beschäftigt. Das sind Mediatoren, aber auch Coaches, Organisationsentwickler und andere Kollegen, die sich mit psychosozialen Themen auseinandersetzen. In größeren Unternehmen gibt es manchmal eine HR Abteilung, die Hilfe anbietet. Der Austausch mit Konfliktexperten bringt nicht nur kurzfristige Hilfe sondern mittelfristig unheimliches Entwicklungspotential, weil Du jedesmal etwas lernen wirst.

Je früher Du Hilfe holst, desto schneller wirkt die Unterstützung. Zum Beispiel, wenn Du die erste unangenehme E-Mail oder ein schwieriges Telefonat vor Dir hast. Jeder Kontakt, den Du in einer schwierigen Situation aufnimmst, sollte überlegt und vorbereitet sein (siehe Punkt 2). Manchmal hilft es auch schon, sich mit Kollegen oder Freunden auszutauschen. Ein Boxsack und eine Nacht drüber schlafen wirkt laut einer Freundin ebenso deeskalierend.

Fazit

In Konflikten besser zu agieren, ist gar nicht so schwer. Es braucht etwas Hirnschmalz, vielleicht punktuell professionelle Unterstützung, die Hausaufgaben gehören gemacht und Du solltest für Dich (und den anderen) sorgen. Wenn das nicht ausreicht, kann eine Mediation helfen.

Du siehst: Alles wird gut. Also geh hinaus und nütze Deine Konflikte mit besseren Konfliktlösungsstrategien!

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