Autor: Melanie Berger

Aktualisiert am 27. September 2026

Kurz gesagt

Welche Konfliktlösungsstrategien gibt es? Konfliktlösungsstrategien sind typische Arten, auf Konflikte zu reagieren. Das bekannteste Modell stammt von Kenneth Thomas und Ralph Kilmann (1974) und unterscheidet fünf: Durchsetzen, Kooperieren, Kompromiss, Vermeiden und Nachgeben. Sie ergeben sich aus zwei Achsen: Durchsetzungswille und Kooperationsbereitschaft. Keine ist immer richtig, die passende hängt davon ab, wie wichtig dir Ergebnis und Beziehung sind. Bei starker Eskalation reicht keine allein, dann hilft eine neutrale dritte Person.

Dein Gesprächspartner geht dir auf die Nerven. Seine Argumente haben weder Hand noch Fuß, und am liebsten würdest du aufstehen und gehen (oder Schlimmeres). Blöd nur, wenn von genau diesem Menschen wichtige Entscheidungen, Projekte oder dein berufliches Fortkommen abhängen.

Dann hilft es, bewusst zu wählen, wie du reagierst. Ein Konflikt ist nämlich eine Information: Etwas muss sich verändern. Jede weitere Eskalation nach Glasl macht es schwerer, aus dieser Information die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Welche Konfliktlösungsstrategien gibt es?

Es gibt fünf Grundstrategien: Durchsetzen, Kooperieren, Kompromiss, Vermeiden und Nachgeben. So beschreibt sie das Thomas-Kilmann-Modell, das bekannteste Modell für Konfliktstile (Thomas und Kilmann 1974). Es ordnet jede Strategie auf zwei Achsen ein: Wie stark verfolgst du deine eigenen Interessen, und wie stark die des anderen?

Die 5 Konfliktlösungsstrategien im Überblick

Jede Strategie hat ihre Situation, gefährlich wird es erst, wenn du immer dieselbe wählst.

StrategieEigene Interessen / Interessen des anderenPasst, wennRisiko
Durchsetzenhoch / niedrigschnell entschieden werden muss, etwa in einer KriseVerlierer, die sich später rächen
Kooperierenhoch / hochErgebnis und Beziehung wichtig sindkostet Zeit
Kompromissmittel / mittelbeide Seiten gleich stark sind und Zeit drängtkeiner ist wirklich zufrieden
Vermeidenniedrig / niedrigdas Thema unwichtig ist oder erst Ruhe einkehren mussder Konflikt schwelt weiter
Nachgebenniedrig / hochdir die Beziehung wichtiger ist als das Themadu wirst zum Dauer-Nachgeber

Für die Kooperation gibt es ein erprobtes Werkzeug: das Harvard-Konzept, das Interessen statt Positionen verhandelt. Wann ein Kompromiss trägt und wann er nur vertagt, lohnt einen eigenen Blick. Und die meisten Menschen fallen unbewusst immer in dasselbe Muster zurück. Welches deins ist, hängt eng mit deinem Konflikttyp zusammen.

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Wie findest du die richtige Konfliktlösungsstrategie?

Die richtige Strategie findest du mit zwei Fragen: Wie wichtig ist dir das Ergebnis, und wie wichtig ist dir die Beziehung? Zählt beides, ist Kooperation die beste Wahl. Zählt nur das Ergebnis und die Beziehung ist ohnehin kurz, kannst du dich durchsetzen. Ist dir die Beziehung wichtiger als das Thema, darfst du nachgeben, solange es nicht zur Gewohnheit wird.

Die dritte Frage ist die nach der Eskalation. Bis zur Stufe 3 nach Glasl könnt ihr beide gewinnen, danach wird Kooperation ohne Hilfe schwierig, ab Stufe 7 verlieren beide. Auf welcher Stufe euer Konflikt gerade steht, findest du im kostenlosen Konflikt-Workshop in 25 Minuten selbst heraus.

Wie setzt du eine Konfliktlösungsstrategie um? 7 Schritte

Eine Strategie ist nur so gut wie ihre Umsetzung. Diese sieben Schritte haben sich in meiner Mediationspraxis bewährt.

1. Analysiere den Konflikt

Überleg, warum der andere so handelt, wie er handelt. Diese Fragen helfen:

  • Was ist die Ursache? Die 8 häufigsten Konfliktursachen geben dir einen ersten Raster.
  • Welche Gründe und welche Bedürfnisse stehen dahinter? Hilfreich sind die psychologischen Grundbedürfnisse nach Grawe.
  • Mit welchen Rahmenbedingungen ist die andere Seite konfrontiert, die sie nicht ändern kann?
  • Und wie sieht das alles umgekehrt bei dir aus?

Dieser Blick hinter die Kulissen erweitert deine Handlungsoptionen. Was unter der Oberfläche liegt, macht das Eisbergmodell sichtbar.

2. Bereite dich vor

Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Die meisten von uns sind schon einmal planlos in eine Besprechung gegangen. Bei Konflikten rächt sich das. Ich erlebe immer wieder, dass Konfliktparteien ihren wirtschaftlichen Spielraum nicht kennen, belastbare Zahlen fehlen oder unbedachte E-Mails den Konflikt weiter anheizen. Bereite dich auf ein Konfliktgespräch so vor wie auf ein wichtiges Verkaufsgespräch.

Frag dich: Welche wirtschaftlichen Faktoren zählen? Geht es um eure Beziehung? Welche Informationen fehlen dir noch? Spielen strategische Überlegungen mit? Kannst du den Konflikt sogar nutzen, um langfristige Ziele zu erreichen? Willkommen in der Königsklasse. Setz dich mit Stift und Papier hin und schreib alles auf.

3. Schau auf dich

Du kannst einiges tun, um mit Konflikten mittelfristig besser umzugehen:

  • Gefühle verstehen: Wut, Angst und Ärger sind Informationen. Das Ziel ist, sie so auszudrücken, dass du dir damit nicht schadest. Gefühle folgen Gedanken: Welcher Gedanke löst gerade welches Gefühl aus? Du darfst sagen, dass du dich ärgerst, entscheidend ist die Art.
  • Relativieren: Frag dich, wie wichtig das Thema in fünf Jahren noch ist. Wer größere Ziele vor Augen hat, geht mit kleinen Konflikten gelassener um.
  • Widerstandskraft stärken: Sport, frische Luft und Austausch mit Freunden wirken Wunder. Mehr dazu in den 7 Tricks aus dem Stressmanagement.
  • Kommunikation trainieren: Die gewaltfreie Kommunikation ist eines von vielen Werkzeugen, die Missverständnisse verringern. Von Schopenhauers „Die Kunst, Recht zu behalten“ rate ich in diesem Zusammenhang eher ab.

4. Erarbeite Verhandlungsspielraum

Gehst du mit denselben Argumenten in ein Gespräch, das schon einmal schiefgelaufen ist, lass es lieber. Mehr vom Gleichen führt selten zu mehr von dem, was du willst. Überleg dir, welche Nebenschauplätze und zusätzlichen Angebote euch gemeinsam weiterbringen. Gibt es etwas abseits des Konfliktthemas, das du anbieten kannst oder gern hättest? In Mediationen erweitern wir das Spielfeld regelmäßig, und so kommt ihr aus der Sackgasse.

5. Verzichte auf Drohungen

Ich beobachte, dass sehr schnell juristisch argumentiert wird. Rechtliche Drohgebärden helfen nicht, lass dich auch vom Gegenüber nicht dazu verleiten. Beliebt ist „Mein Anwalt sagt, dass ich recht habe“, ergänzt um eine ausführliche Erläuterung der eigenen Rechtsposition in schwer verständlicher Sprache. Viele empfinden das als bedrohlich, und das ist die Gelinggarantie für die nächste Eskalation. Wann ein Anwalt trotzdem sinnvoll ist, klärt Anwalt oder Mediator.

Bleib außerdem unter allen Umständen höflich. Auch wenn du dich innerlich ärgerst: Höflichkeit signalisiert Respekt und die Bereitschaft, zivilisiert weiterzuarbeiten.

6. Drück die Stopptaste

So wie früher am Walkman (was, du hattest keinen? Dann bist du vermutlich zu jung zum Streiten). Merkst du, dass das Gespräch aus dem Ruder läuft, bitte freundlich um eine Pause oder eine spätere Fortsetzung. Ein paar Schritte an der frischen Luft ändern viel. Verschieberitis ist hier erlaubt: Du musst nicht sofort antworten, darfst schweigen und dir Bedenkzeit nehmen. Jede Eskalation birgt das Risiko großer Schäden.

7. Hol dir Unterstützung

Frag jemanden, der sich professionell mit Konflikten beschäftigt: Mediatoren, Coaches, Organisationsentwickler oder die HR-Abteilung. Je früher du Hilfe holst, desto schneller wirkt sie, am besten schon vor der ersten unangenehmen E-Mail. Manchmal hilft auch der Austausch mit Kollegen oder Freunden (ein Boxsack und eine Nacht darüber schlafen wirken laut einer Freundin ebenfalls deeskalierend).

Ist der Konflikt festgefahren, bringt eine Mediation einen neutralen Dritten ins Spiel. Ob das für euch passt, klären wir im kostenlosen Konfliktanalyse-Gespräch.

Frage an dich

  • Zu welcher der fünf Strategien greifst du unter Druck fast automatisch?
  • Welcher Konflikt hätte eine andere Strategie verdient als die, die du gerade fährst?
  • Was müsstest du vorbereiten, bevor du das nächste Konfliktgespräch führst?

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Fazit: Bewusst wählen statt reflexhaft reagieren

In Konflikten besser zu handeln, ist gar nicht so schwer. Es braucht etwas Hirnschmalz, eine gute Vorbereitung, punktuell professionelle Unterstützung und die Bereitschaft, für dich und den anderen zu sorgen. Wer die fünf Strategien kennt und bewusst wählt, reagiert souveräner. Weitere Werkzeuge findest du in den Konfliktmanagement-Methoden im Überblick.

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Quellen

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Häufige Fragen

Welche Konfliktlösungsstrategien gibt es?

Nach dem Thomas-Kilmann-Modell gibt es fünf Grundstrategien: Durchsetzen, Kooperieren, Kompromiss, Vermeiden und Nachgeben. Jede hat ihre Berechtigung, je nach Situation. Entscheidend ist, dass du bewusst wählst. Die meisten Menschen fallen unbewusst immer in dasselbe Muster, und das verschärft Konflikte.

Wie finde ich die richtige Konfliktlösungsstrategie?

Frag dich: Wie wichtig ist mir das Ergebnis, und wie wichtig ist mir die Beziehung? Zählt beides, ist Kooperation die beste Wahl. Zählt nur das Ergebnis, kannst du dich durchsetzen. Zählt vor allem die Beziehung, kannst du nachgeben. Prüf außerdem die Eskalationsstufe: Ab Stufe 4 nach Glasl wird Kooperation ohne Hilfe schwierig. Das Thomas-Kilmann-Modell erklärt die Stile im Detail.

Warum funktionieren Kompromisse oft nicht?

Weil bei einem Kompromiss beide Seiten etwas aufgeben und keiner wirklich zufrieden ist. Der Konflikt schwelt dann unter der Oberfläche weiter. Besser ist es, Interessen statt Positionen zu verhandeln, wie im Harvard-Konzept. Wenn du verstehst, was dein Gegenüber wirklich braucht, findest du oft Lösungen, bei denen niemand verliert.

Wie löse ich Konflikte am Arbeitsplatz ohne Eskalation?

Sprich das Problem früh an, je länger du wartest, desto größer wird es. Beschreibe, was du beobachtet hast, ohne zu bewerten. Hör aktiv zu. Und formuliere einen konkreten Wunsch statt einer Forderung. Wenn das allein nicht reicht, hilft ein neutraler Dritter, etwa ein Mediator oder die Führungskraft.

Wann sollte ich mir professionelle Hilfe bei einem Konflikt holen?

Wenn direkte Gespräche mehrmals gescheitert sind, wenn der Konflikt deine Gesundheit oder Leistung beeinträchtigt oder wenn sich das Team in Lager spaltet. Dann ist eine Wirtschaftsmediation oft der schnellste Weg zu einer tragfähigen Lösung, vertraulich und ohne Gericht. Ob sie für dich passt, klären wir im kostenlosen Konfliktanalyse-Gespräch.

Kann man Konflikte komplett vermeiden?

Nein, und das solltest du auch nicht wollen. Konflikte sind ein normaler Teil von Zusammenarbeit und zeigen, dass sich etwas verändern muss. Wer sie grundsätzlich vermeidet, überhört wichtige Signale. Entscheidend ist, wie du mit ihnen umgehst.

Autor

Melanie Berger

Ich bin Melanie Berger, eingetragene Wirtschaftsmediatorin in Wien und Autorin von „Bulldozer und Erklärbär“.


Seit 2020 löse ich Konflikte in Unternehmen im DACH-Raum: fast 100 gelöste Fälle, in über 95 % davon eine Lösung, über 500 Führungskräfte trainiert und gecoacht. Davor über 30 Jahre in Vertrieb, Controlling, kaufmännischer Leitung und IT-Projekten. In meiner Freizeit gibt es Tanzen, Training und Garten (der Garten verliert meistens).

Steckst du gerade in einem Konflikt? Im kostenlosen Konflikt-Workshop findest du in 25 Minuten selbst heraus, wo er steht.

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