a man with a tape over his mouth

Oft sind Worte gar nicht nötig, um Spannungen zu entschärfen oder Missverständnisse aufzuklären. Nonverbale Kommunikation ist ein mächtiges Werkzeug, um Konflikte zu lösen oder zumindest positiv zu beeinflussen.

Allerdings schwirren auch allerhand falsche Informationen herum, darunter die Annahme, die nonverbale Kommunikation mache den größten Teil einer übermittelten Botschaft aus, oder, dass verschränkte Arme immer ein abwehrendes Signal sind.

Konfliktlösung durch nonverbale Kommunikation ist eine der vielen Ebenen, auf denen Konflikte bearbeitet werden können - in diesem Beitrag zeige ich dir, wie du durch gezielten Einsatz non-verbaler Signale Konflikte entschärfen kannst.

Einführung in die nonverbale Kommunikation

Eine Freundin und du habt euch auf einer Party gestritten und seid im Streit auseinandergegangen. Doch statt Worte zu verwenden, gehst du zu ihr, legst eine Hand auf ihre Schulter und lächelst. In diesem Moment sagst du mehr, als Worte jemals könnten.

Nonverbale Kommunikation – bestehend aus Körpersprache, Mimik, Gestik und paraverbalen Signalen – spielt also eine entscheidende Rolle in unserer Interaktion mit anderen. Bestimmt kennst du auch den reumütigen Blick, den viele Hunde super drauf haben, wenn sie was angestellt haben - irgendwie auch eine Form davon.

Was sonst noch eine Rolle spielt, wenn du gerne deeskalieren und Konflikte schneller lösen möchtest, liest du hier.

Arten der nonverbalen Kommunikation

Körpersprache

Die Position unseres Körpers, wie wir stehen oder sitzen, verrät viel über unsere innere Haltung zu einem Thema oder einer Situation und unsere Gefühle. Offen stehende Arme signalisieren Offenheit und Empfangsbereitschaft, während verschränkte Arme Abwehr und Unnahbarkeit ausdrücken können.

Allerdings sind solche Signale immer im Kontext der Person zu betrachten - am leichtesten ist es, wenn du versuchst, herauszufinden, welches Gefühl die Person momentan bei dir auslöst (und nicht an die gängigen Ideen zu denken, was ihre Körperhaltung aussagt).

Warum das besser und treffsicherer ist, erfährst du weiter unten, wo ich die häufigsten Missverständnisse in der nonverbalen Kommunikation erläutere. Eins verrate ich dir aber jetzt schon: Verlass' dich nicht zu sehr auf die gängigen Hobbyweisheiten, die zum Thema nonverbale Kommunikation so herumgeistern.

Mimik

Unser Gesichtsausdruck kann Emotionen wie Freude, Trauer, Wut oder Überraschung in Sekundenschnelle kommunizieren. Lächeln wirkt zum Beispiel eher beruhigend und schafft sofort eine entspanntere Atmosphäre (lächeln, nicht frech grinsen!).

Gestik

Handbewegungen und Gesten unterstützen und verstärken das, was wir sagen wollen. Eine offene Handfläche kann Vertrauen und Ehrlichkeit vermitteln, während eine geballte Faust eher Aggression oder Verärgerung ausdrückt. Solltest du also aus irgendeinem Grund eskalieren wollen, balle zur Sicherheit die Faust. Und zwar deutlich sichtbar, nicht in der Hosentasche.

Paraverbale Kommunikation

Paraverbale Kommunikation ist die Art und Weise, wie wir sprechen – Tonfall, Lautstärke, Tempo und Rhythmus. Wenn du leiser und ruhig sprichst, wird sich dein Gegenüber in einem Konflikt auch beruhigen, das Gegenteil bewirkst du zwangsläufig, wenn du laut und hektisch wirst.

Eine ähnliche Wirkung hat es übrigens, wenn du im Gespräch bewusst sehr ruhig atmest - das überträgt sich auf die meisten Gesprächspartner.

Augenkontakt

Der Blickkontakt ist entscheidend, um Vertrauen und Interesse zu zeigen. Zu wenig Augenkontakt kann als Desinteresse oder Unsicherheit interpretiert werden, während zu viel als aufdringlich empfunden werden kann. In manchen Kulturen ist direktes In-die-Augen-schauen sogar unhöflich.

Ohne Worte: Konfliktlösung durch nonverbale Kommunikation - Wirtschaftsmediation Melanie Berger

Die 3 größten Missverständnisse in der nonverbalen Kommunikation

Kaum etwas fasziniert die Menschen so wie die Interpretation nonverbaler Signale. Im NLP etwa ist es sehr beliebt, Augenbewegungen mit bestimmten Hirnaktivitäten zu verknüpfen (wenn du nach links oben schaust, denkst du an xy, undsoweiter). Wiederum eine andere Fraktion behauptet dreist, sie könne anhand eines Gesichtsausdrucks Lügner entlarven. Naja. Was soll ich dir sagen, außer: Es gibt in dem Bereich wirklich viel Bullshit.

Missverständnis 1: Nonverbale Signale sind universell

Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass nonverbale Signale überall auf der Welt gleich verstanden werden. In Wirklichkeit sind sie stark kulturell geprägt. Ein Daumen hoch bedeutet in vielen westlichen Kulturen Zustimmung, während es in anderen Teilen der Welt als Beleidigung empfunden werden kann. Man tut also gut daran, seine kulturelle Sensibilität auch in diesem Gebiet zu verbessern.

Missverständnis 2: Non-verbale Kommunikation ist immer ehrlich (weil unbewusst)

...und geschickte Menschen würden einen mit gekonnt verstellter nonverbaler Kommunikation manipulieren (was nicht sooo falsch ist). Es wird ebenso oft angenommen, dass non-verbale Kommunikation ehrlicher ist als verbale - hinter dem steht wiederum die Annahme, nonverbale Kommunikation sei weitgehend unwillkürlich.

Zwar können unbewusste Signale echte Gefühle offenbaren, aber Menschen können auch ihre Körpersprache bewusst kontrollieren, um einen bestimmten Eindruck zu erwecken.

Missverständnis 3: Nonverbale Signale sind leicht zu interpretieren

Ein weiteres Missverständnis ist, dass nonverbale Signale immer eindeutig sind und es sei möglich, eine Art immer gültige Übersetzung dafür zu schreiben. Tatsächlich können sie aber mehrdeutig sein und unterschiedliche Bedeutungen haben, abhängig vom Kontext und der individuellen Persönlichkeit.

The most important thing in communication is hearing what isn't said.

Peter Drucker

Sozialwissenschaftler und Autor

Die Macht der nonverbalen Kommunikation in der Konfliktlösung

Aber nun, da wir die Grundlagen und Missverständnisse der nonverbalen Kommunikation kennen, wie können wir sie effektiv zur Konfliktlösung einsetzen?

Selbstbewusstsein und Kontrolle

Sei dir deiner eigenen nonverbalen Signale bewusst. Beobachte deine Körpersprache, Mimik und Gestik. Kontrolliere einmal deine paraverbalen Zeichen, um Ruhe und Gelassenheit auszustrahlen, auch wenn du innerlich kochst - du wirst sehen, der Gesprächsverlauf ist ein anderer. Natürlich ist es auch ok, negative Emotionen einmal (angemessen) zum Ausdruck zu bringen. Gut wäre aber, wenn du das bewusst entscheiden kannst und es nicht im Affekt tust.

Aktives Zuhören

Zeige deinem Gegenüber durch nonverbale Signale, dass du zuhörst und verstehst. Nicken, Augenkontakt und eine offene Körperhaltung fördern ein positives Gesprächsklima - hier findest du außerdem ausführliche Instruktionen zum aktiven Zuhören, auch zu den verbalen Anteilen.

Deeskalation durch Körpersprache

In angespannten Situationen kannst du bewusst beruhigende Signale senden. Entspannte Schultern, langsame Bewegungen und ein sanfter Tonfall helfen, die Atmosphäre zu entspannen. Ebenso hilft es, ganz ruhig zu atmen - auch zu deiner eigenen Beruhigung.

Empathie zeigen

Durch deine nonverbalen Signale kannst du Empathie und Verständnis vermitteln. Ein freundlicher Gesichtsausdruck und sanfter Augenkontakt zeigen, dass du die Gefühle des anderen nachvollziehen kannst und ihm deine Aufmerksamkeit schenkst. Denn oft wollen Menschen ja gar keine Reaktion, wenn sie schwierige Themen ansprechen, sondern einfach, dass ihnen jemand zuhört (yup - im Ernst; dein Retterimpuls hat mit dir zu tun, nicht mit dem anderen).

Spiegeln

Eine Technik, bei der du die nonverbalen Signale deines Gegenübers subtil nachahmst, um Rapport und Vertrauen aufzubauen. Achte darauf, dies natürlich und nicht übertrieben zu tun (und auch am besten nicht das Tourette Syndrom nachahmen, kommt nicht so gut).

Verkäufer wissen das übrigens schon lange und setzen diese Technik sehr bewusst ein, damit sie dein Unterbewusstsein als Gleichgesinnten einstuft. Beobachte mal jemanden im Verkauf, der den Job schon sehr lange macht. Du wirst staunen.

  • Welche non-verbalen Signale sendest du unbewusst in Konfliktsituationen?
  • Wie kannst du deine Körpersprache, Mimik und Gestik gezielt einsetzen, um Konflikte zu entschärfen?

Fazit

Nonverbale Kommunikation ist ein unterschätztes Werkzeug in der Konfliktlösung. Indem wir uns bewusst werden, welche Signale wir senden und empfangen, können wir Missverständnisse vermeiden und eine positive, lösungsorientierte Atmosphäre schaffen. Nutze deshalb wo möglich die Kraft der nonverbalen Kommunikation und beobachte, wie sie deine Konfliktlösungsfähigkeiten (im Stillen, quasi) verbessert.

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mit Melanie Berger

Besser gelöste Konflikte bedeuten mehr Erfolg.

In zwei Tagen zu erfolgreicheren Projekten und zufriedeneren Mitarbeitern.

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