Konfliktmanagement Melanie Berger Anwalt oder Mediator: Welcher passt zu deinem Konflikt? Wirtschaftsmediation, Über Mediation allgemein
Autor: Melanie Berger

Aktualisiert am 15. Mai 2026

Du hast einen Konflikt im Unternehmen und fragst dich: Anwalt oder Mediator? Was passt für meine Situation? Die ehrliche Antwort: es kommt darauf an. Manchmal ist der Anwalt der bessere Weg, manchmal der Mediator, oft funktioniert die Kombination am besten.

In diesem Artikel zeige ich dir 6 Kriterien, an denen du die Entscheidung festmachen kannst - ganz ehrlich und aus meiner Mediationspraxis als eingetragene Wirtschaftsmediatorin in Wien (eingetragen beim Bundesministerium für Justiz nach ZivMediatG). Inklusive Vergleichstabelle, 3 Praxisbeispielen und einer klaren Wann-was-Empfehlung. (Hinweis: Die Begriffe Anwalt und Rechtsanwalt verwende ich in diesem Beitrag synonym — so wie es im Alltag gängig ist.)

Die 6 Auswahlkriterien im Überblick

Bei jedem Konflikt lohnt es sich, vor der Wahl von Anwalt oder Mediator diese sechs Fragen zu beantworten:

  1. Was ist dein Ziel - Recht durchsetzen oder eine tragfähige Lösung finden?
  2. Wie wichtig ist dir die Beziehung zur Gegenseite nach dem Konflikt?
  3. Wie eilig ist es?
  4. Was kostet dich die Lösung wirklich (nicht nur die Gebühren)?
  5. Wie öffentlich darf der Konflikt werden?
  6. Brauchst du eigentlich beide?

Schauen wir uns jedes Kriterium konkret an.

Kriterium 1: Was ist dein Ziel?

Anwalt: Der Anwalt vertritt deine Interessen gegen die andere Seite. Er will, dass DU gewinnst. Sein Ziel ist meistens ein rechtlich sauberes Ergebnis - Vertrag, Urteil, Schadensersatz, Unterlassung. Wenn du ein Recht durchsetzen willst, das dir klar zusteht, ist der Anwalt richtig.

Mediator: Der Mediator ist allparteilich. Er sorgt dafür, dass beide Seiten eine Lösung finden, mit der sie leben können. Sein Ziel ist nicht der Sieg einer Partei, sondern eine tragfähige Vereinbarung. Wenn du eine Lösung suchst, die beide Seiten akzeptieren und umsetzen, ist der Mediator richtig.

Was bedeutet das in der Praxis? In meiner Mediationspraxis sehe ich oft Fälle, in denen ein Anwalt schon "den Kampf gewonnen" hat - aber die Geschäftsbeziehung danach kaputt ist. Dann ist der Sieg teuer erkauft. Frag dich also vor der Wahl: Gewinnen-Wollen oder Lösung-Finden? Beides ist legitim, aber nur eines passt zu deinem Konflikt.

Kriterium 2: Wie wichtig ist die Beziehung zur Gegenseite?

Anwalt: Wenn die Beziehung sowieso vorbei ist - Lieferant betrügt, Mitarbeiter geht, Geschäftspartner steigt aus - kann der Anwaltsweg sauber und effizient sein. Was nach dem Streit kommt, ist also nicht mehr relevant.

Mediator: Wenn du mit der anderen Seite weiter zusammenarbeiten willst oder musst - Gesellschafter, Familienunternehmen, Schlüssel-Lieferant, Team-Mitglied - dann ist Mediation fast immer die bessere Wahl. Mediation findet Lösungen, die beide Seiten tragen, und schont die Beziehung.

Faustregel aus der Praxis: Frag dich, ob du mit der anderen Seite in 5 Jahren noch eine Beziehung haben willst (oder musst). Ja? Mediation. Nein? Anwalt reicht.

Anwalt und Mediator II

Kriterium 3: Wie eilig ist es?

Anwalt mit Gericht: In Österreich dauern Verfahren bei Wirtschaftskonflikten oft 1-3 Jahre durch alle Instanzen. Bei komplexen Streitigkeiten (Gesellschafter, Familienunternehmen) sogar länger. Selbst ein einfaches Urteil erster Instanz braucht in der Regel 6-12 Monate.

Anwalt ohne Gericht (Verhandlung): Anwaltliche Verhandlungen ohne Gerichtsweg gehen schneller, oft 4-12 Wochen. Aber wenn die Gegenseite mauert, fehlt der Druckmittel-Hebel.

Mediator: Eine typische Wirtschaftsmediation dauert 3-5 Sitzungen über 4-12 Wochen. Bei einfachen Konflikten ist sogar ein halber Tag Mediation oft genug, um eine Lösung zu finden.

Wenn es brennt (Liquiditätskrise, Liefer-Stopp, Vertrags-Deadline), ist Mediation oft die einzige Option, die schnell genug greift. Vor Gericht bist du mit deinem Konflikt sonst nicht in Wochen, sondern in Monaten.

Kriterium 4: Was kostet die Lösung wirklich?

Nur auf die Honorare zu schauen ist zu kurz. Die echten Kosten umfassen Honorar plus Folgekosten plus Beziehungsschaden plus Zeit.

Anwalt:

  • Honorar nach Rechtsanwaltstarifgesetz (RATG) oder Vereinbarung. Bei Wirtschaftskonflikten oft mehrere zehntausend Euro pro Instanz.
  • Gerichtskosten, Gutachterkosten, Reisen.
  • Risiko: Wer verliert, zahlt die Kosten der Gegenseite.
  • Folgekosten durch Beziehungsschaden (Lieferant kündigt, Kunde geht).

Mediator:

  • Stundensatz oder Tagespauschale. Bei mir startet ein halber Tag Wirtschaftsmediation ab 1.500 Euro.
  • Bei Teamkonflikten liegen die Gesamtkosten meist zwischen 3.000 und 6.000 Euro.
  • Die Konfliktparteien teilen sich die Kosten in der Regel.
  • Keine Folgekosten durch Beziehungsschaden, weil die Beziehung erhalten bleibt.

Faustregel: Bei klaren rechtlichen Forderungen mit verlorener Beziehung ist der Anwalt oft günstiger. Bei komplexen Konflikten mit weiterer Geschäftsbeziehung ist Mediation oft 50-80 Prozent günstiger als der Anwaltsweg, wenn man Folgekosten mitrechnet.

Wenn du unsicher bist, ob die Investition zu deiner Situation passt: Ein 30-minütiges Erstgespräch mit mir und du weißt, was für deinen Konflikt am vernünftigsten ist.

Kriterium 5: Wie öffentlich darf der Konflikt werden?

Anwalt mit Gericht: Verfahren sind grundsätzlich öffentlich. Akten können Konkurrenten und Medien zugänglich werden. Bei Gesellschafterkonflikten oder Familienunternehmen oft fatal für Reputation und Marktposition.

Anwalt mit Schiedsverfahren: Schiedsverfahren sind vertraulich, aber teurer und komplexer. Setzt eine Schiedsvereinbarung im Vertrag voraus.

Mediator: Eingetragene Mediatoren sind nach dem österreichischen ZivMediatG zur Verschwiegenheit verpflichtet. Was in der Mediation besprochen wird, bleibt dort - auch vor Gericht hält diese Verschwiegenheit. Alle Beteiligten unterzeichnen zusätzlich eine Mediationsvereinbarung mit Verschwiegenheitsklausel.

Wenn der Konflikt nicht öffentlich werden darf (Reputation, Aktienkurs, Verhandlungen mit Banken, M&A-Prozesse), ist Mediation faktisch alternativlos.

Kriterium 6: Brauchst du eigentlich beide?

In vielen meiner Wirtschaftsmediationen sind die Anwälte der Parteien direkt mit am Tisch. Das funktioniert hervorragend, weil:

  • Der Anwalt schützt die rechtlichen Interessen seines Mandanten.
  • Der Mediator führt durch den Prozess und sorgt für Lösungs-Findung.
  • Lösungen sind direkt rechtlich prüfbar - das spart einen ganzen Schritt.
  • Der Mandant muss nicht zwei Mal alles erklären.

Wann der Hybrid-Ansatz besonders sinnvoll ist:

  • Bei größeren wirtschaftlichen Werten (ab ca. 500.000 Euro Streitwert)
  • Bei komplexen Vertragsfragen (Gesellschaftervertrag, M&A, Lizenzen)
  • Bei Konflikten mit Folge-Vertragsbedarf (Auflösungsvereinbarung, Übergabevertrag)
  • Bei internationalen Konflikten mit unterschiedlichen Rechtsordnungen

Vergleichstabelle: Anwalt vs. Mediator vs. Hybrid

KriteriumAnwaltMediatorHybrid (Anwalt + Mediator)
HauptzielRecht durchsetzenLösung findenRechtssichere Einigung
VerfahrenGerichts- oder VerhandlungswegStrukturierter Dialog mit allparteilicher BegleitungMediation mit anwaltlicher Begleitung
Dauer4 Wochen bis mehrere Jahre4-12 Wochen typisch6-16 Wochen typisch
KostenHonorar + Gerichtskosten + Risiko (Verlierer zahlt)Stundensatz, oft 50-80 Prozent geringer als AnwaltswegMediation + anwaltliche Begleitung, meist günstiger als reiner Gerichtsweg
Vertraulichkeitöffentlich (außer Schiedsverfahren)gesetzlich verschwiegen (ZivMediatG)gesetzlich verschwiegen
Beziehung danachmeist beendet oder beschädigterhalten oder verbesserterhalten oder verbessert
Wann sinnvollklare Rechtslage, Beziehung sowieso vorbei, Präzedenzfall nötigBeziehung soll erhalten bleiben, beide Seiten kooperationsbereitkomplexe Verträge, höhere Streitwerte, internationale Fälle
Wann NICHT sinnvollwenn Beziehung erhalten werden soll, wenn Vertraulichkeit kritisch istbei Gewalt, Mobbing, einseitiger Manipulation, fehlender Kooperationsbereitschaftbei Eilfällen, kleinen Streitwerten

Hinweis: Vergleich gilt für Wirtschaftskonflikte in Österreich. In Deutschland gelten teilweise andere Regelungen (Mediationsgesetz statt ZivMediatG, andere Gebührenordnung), im Groben dürften die Zahlen aber ähnlich sein.

Empfehlung: Wann was?

  • Du hast eine klare Vertragsverletzung mit Vorsatz und willst Schadensersatz:
    → Anwalt. Es geht um Recht und Geld, die Beziehung ist ohnehin im Eimer.
  • Du hast einen Streit mit Geschäftspartner, Mitarbeiter oder Lieferant und willst weiter zusammenarbeiten:
    → Mediation. Hier zählt die Beziehungserhaltung mehr als ein Sieg auf dem Papier.
  • Du bist im Gesellschafterkonflikt mit komplexen vertraglichen Aspekten:
    → Hybrid. Mediation mit anwaltlicher Begleitung beider Seiten - die Anwälte prüfen rechtliche Auswirkungen direkt am Verhandlungstisch.
  • Die Gegenseite weigert sich, überhaupt zu reden:
    → Erst Rechtsanwalt anschreiben lassen (formaler Druck), dann Mediation anbieten. Manchmal hilft der erste Anwaltsbrief, eine Bereitschaft zur Mediation zu erzeugen.
  • Es geht um Mobbing, Gewalt oder einseitige Manipulation:
    → Mediation funktioniert nicht. Hier brauchst du arbeits- oder strafrechtliche Beratung beim Anwalt, ggf. Therapie.
  • Es eilt extrem (Liefer-Stopp, Liquiditätskrise, Deadline):
    → Mediation, wenn beide kooperieren. Anwaltsweg dauert in der Regel zu lange.
  • Du brauchst einen Präzedenzfall oder ein Urteil zur Außenwirkung:
    → Anwalt mit Gericht. Mediation produziert keine öffentlich verwertbaren Urteile.

3 Praxisbeispiele aus meiner Mediationspraxis

Damit das Ganze konkreter wird, drei anonymisierte Beispiele aus meiner Arbeit als Wirtschaftsmediatorin in Wien.

Beispiel 1: Gesellschafterkonflikt - Anwalt zuerst, dann Mediation

Zwei Gesellschafter eines mittelständischen Unternehmens (50/50-Verteilung), seit 12 Jahren gemeinsam erfolgreich. Streit über strategische Ausrichtung eskaliert zu wechselseitigen Vorwürfen. Beide Seiten lassen die Anwälte schreiben - vier Monate Hin und Her, keine Bewegung, Mitarbeiter werden nervös, ein Großkunde droht abzuspringen.

Eine der Rechtsanwältinnen schlägt Mediation vor. In drei Sitzungen über acht Wochen wird die Frage geklärt: Wer übernimmt, wer steigt aus? Die Lösung: einer kauft den anderen aus, mit klar geregeltem Übergangsplan. Der Vertrag wird von beiden Anwälten geprüft und unterschrieben.

Was war wichtig? Der Anwaltsweg hatte den Druck aufgebaut, die Mediation hat den Ausstieg ermöglicht. Ohne den Anwaltsbrief wäre keiner an den Verhandlungstisch gekommen. Ohne die Mediation hätte der Streit vor Gericht weitere 18-30 Monate gedauert - mit verlorenem Großkunden und massivem Reputationsschaden.

Anwalt und Mediator III

Beispiel 2: Familienunternehmen - klassische Mediations-Domäne

Drei Geschwister erben einen Produktionsbetrieb. Eine Schwester führt seit 10 Jahren operativ, die anderen beiden sind passive Miteigentümer. Streit kommt auf, als die Geschwister eine höhere Ausschüttung fordern und die operative Schwester für Reinvestition plädiert.

Der erste Reflex der passiven Geschwister: Anwalt einschalten. Nach zwei Wochen Bedenkzeit entscheiden sie sich für Mediation. Vier Sitzungen über zehn Wochen, am Ende eine neue Gesellschaftsstruktur mit klarer Trennung von operativer und kapitalseitiger Verantwortung.

Was war wichtig? Die Familie wollte zusammen Weihnachten feiern können. Ein Anwaltsstreit hätte die Beziehung zerstört, die operativ tätige Schwester wäre vermutlich gegangen, der Betrieb hätte schweren Schaden genommen. Die Mediation hat die Familie und das Unternehmen gleichzeitig erhalten.

Beispiel 3: Vertragsverletzung mit Vorsatz - klar Anwalt

Ein Software-Lieferant verstößt absichtlich gegen Lizenzvereinbarungen, verkauft die Lösung an einen Mitbewerber des Mandanten weiter. Klare Vertragsverletzung, klarer Vorsatz, bezifferbarer Schaden. Beide Seiten haben keine Zukunft mehr miteinander - der Mandant will den Lieferanten ohnehin loswerden.

In diesem Fall war Mediation falsch. Empfehlung: direkt Anwalt einschalten und den Rechtsweg beschreiten. Dauer: 4 Monate, Schadensersatz erstritten, Geschäftsbeziehung beendet.

Was war wichtig? Ehrlichkeit von meiner Seite: Mediation hätte hier keinen Mehrwert gebracht. Wenn die Beziehung sowieso vorbei ist und es nur noch um Geld und Recht geht, ist der Anwaltsweg der Richtige.

Was du jetzt tun kannst

  1. Konflikt-Status klären: Welche Seite ist die Gegenseite? Wie ist eure Beziehung aktuell? Wie war sie vor dem Konflikt?
  2. Ziel definieren: Recht durchsetzen, Lösung finden oder beides?
  3. Eilbedarf prüfen: Gibt es eine Frist (Verjährung, Liefer-Deadline, Liquiditätskrise)?
  4. Vertraulichkeit prüfen: Darf der Konflikt nach außen dringen?
  5. 6 Kriterien durchgehen: Welche zwei oder drei sind dir am wichtigsten?

Wenn du unsicher bist, welcher Weg für dich passt: Im kostenlosen Erstgespräch klären wir das in 30 Minuten.

Bonus: Wie arbeiten Anwalt und Mediator zusammen?

Der folgende Abschnitt richtet sich an Anwälte und Berater, die wissen wollen, wie eine produktive Zusammenarbeit zwischen den beiden Berufsgruppen funktioniert.

Die Zusammenarbeit von Anwälten und Mediatoren ist eine noch viel zu wenig genutzte Form, für Klienten in Konfliktsituationen erhebliche Mehrwerte zu generieren. Das Zusammenspiel beider Berufsgruppen führt dazu, dass Klienten ihre Lösungen rechtlich hieb- und stichfest, aber ohne Zerstörung ihrer (Geschäfts-)Beziehungen erreichen. Der Anwalt profitiert nicht nur von der entstehenden Kundenbindung, sondern auch von mehr Umsatz; je besser das Zusammenspiel funktioniert, desto vorteilhafter ist es für alle Beteiligten.

Die unterschiedliche Rollen von Anwalt und Mediator

Währenddem Anwälte die Interessen einer Partei vertreten, sorgt der Mediator dafür, dass die Interessen aller Beteiligten gewahrt werden. Das wirkt sich einerseits darauf aus, wie die jeweilige Profession mit ihren Klienten und ihren Themen umgeht, andererseits, welche möglichen Lösungen durch ihr Einwirken entstehen.

Mediatoren konzentrieren sich auch (aber nicht nur) auf den Prozess der Lösungsfindung und die psychosozialen Vorgänge, währenddem Anwälte eher inhaltlich arbeiten und das Ergebnis oder die Lösungen oft vorgeben.

Anwälte vertreten immer nur eine Seite und das ist gut so

Ein Anwalt hat von Berufs wegen die Aufgabe, die Interessen seines Klienten gegenüber anderen Parteien zu vertreten und durchzusetzen.

In vielen Anwendungsfällen ist das genau richtig -  etwa, wenn es darum geht, Präzedenzfälle zu schaffen, die Parteien eine Gerichtsentscheidung brauchen, um ihr Handeln vor einem Aufsichtsrat zu belegen oder wenn ein konstruktives Gespräch nicht mehr möglich ist.

Der Anwalt versucht dabei zu jedem Zeitpunkt, für seinen Klienten das Beste rauszuholen.

Ganz anders ist die Grundidee beim Mediator

Ein Mediator ist nicht, wie gemeinhin angenommen, neutral. Das Wort "Allparteilichkeit", das meistens verwendet wird, trifft besser zu. Allparteilich zu sein heißt, sich für beide (oder alle) Parteien einzusetzen. Der Mediator sorgt dafür, dass sich in erarbeiteten Lösungen unterschiedliche Bedürfnisse und Interessen widerspiegeln und dass ein Interessensausgleich stattfindet.

Anwalt und Mediator I

Beide Rollen in Personalunion? Warum das keine gute Idee ist.

Viele praktizierende Anwälte haben die Ausbildung als Mediator, da diese Funktion immer öfter nachgefragt wird. Ob die Vereinigung zwei so gegenläufiger Rollen Sinn macht, ist zu hinterfragen, da die Abgrenzung der Philosophien im praktischen Alltag möglicherweise Fragen oder Unvereinbarkeiten aufwirft.

Zudem entsteht aus der Sicht des Klienten ein hybrides Produkt, das eher zu Verwirrung als zu einem klaren Bild von der zu erwartenden Leistung führt. ein bisschen Mediation" funktioniert nicht.

Klienten, die ihren Anwalt in einem Prozess als durchsetzungsstarken Vertreter ihrer Interessen erlebt haben, werden ihm später die Rolle des allparteilichen Mediators, der plötzlich auch die Interessen der Gegenseite vertritt, nicht abkaufen (dazu kommen wir später noch einmal).

Die beiden Rollen Anwalt und Mediator basieren auf so gegenläufigen Modellen und Vorgehensweisen, dass die Vereinigung in einer Person schwierig wird. Die beiden Grundhaltungen unterscheiden sich diametral.

Natürlich kann ein Anwalt konsensorientiert arbeiten, weil er gelernt hat, dass in manchen Fällen ein Konsens die haltbareren Ergebnisse bringt. Eine durch und durch mediative Haltung einzunehmen wird ihm aber immer schwer fallen.

Römermann und Praß, zwei deutsche Kollegen merken an:

(...) denn funktional unterscheiden sich Rechtsanwälte und Mediatoren erheblich. Der Rechtsanwalt hat den Charakter eines Parteivertreters, während der Mediator nicht rechtsberatend (...) oder einseitig interessengeleitet (...) tätig wird

Als weiteren Punkt muss man die Ausbildung genauer unter die Lupe nehmen: Die gegenwärtige Realität in der Anwaltsausbildung ist, dass Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte in advokatorischen Techniken für richterliche Verfahren gut ausgebildet sind, im Zusammenhang mit anderen Problemlösungsverfahren wie Verhandlungen und Mediation aber auf eine unvollkommene Ausbildung, auf Versuch und Irrtum und auf erworbene Erfahrung zurückgreifen.

Wenn wir zudem davon ausgehen, dass Menschen ihre Berufe oft aufgrund von Talenten oder Interessen wählen, vermuten wir hinter jemandem, der Anwalt wird, eine ganz andere Persönlichkeit als bei jemandem, der eine Mediationskarriere anstrebt.

Es macht deshalb Sinn, diese beiden Rollen klar voneinander zu trennen, um von jeder Seite die jeweils für die Klientenbedürfnisse passende Leistung anzubieten. Jede der beiden Rollen hat ihren eindeutigen Mehrwert; geschickt gekoppelt vervielfacht er sich.

Der Rechtsanwalt ist hochverehrlich, obwohl die Kosten oft beschwerlich.

Wilhelm Busch

Die Rolle des Anwalts in der Mediation

Mediation macht Anwälte nicht überflüssig. Gerade in der Wirtschaftsmediation ist der Anwalt unabdingbar, um die Auswirkungen von Lösungen direkt auf rechtliche Aspekte zu prüfen und Feedback zu geben. Ich persönlich mediiere in der Mediation zwischen Unternehmen grundsätzlich nicht ohne die Anwälte der Parteien

Ich weiß, einige Kollegen sehen das anders, ich habe aber einfach keine Lust, die Arbeit zwei Mal zu machen, und meine Klienten in der Regel auch nicht.

Die Aufgabe des Anwalts in einem Mediationsverfahren unterscheidet sich von jener, die er bei seiner gewohnten Tätigkeit hat. Es ist nicht mehr die Rolle eines führenden Akteurs im Geschehen, sondern jene des "Beschützers" seines Klienten.

Diese Veränderung des Blickwinkels verlangt dem Anwalt anfangs sicherlich einiges ab. Später, so berichten Anwälte, die auf regelmäßiger Basis mit Mediatoren an Fällen arbeiten, sei die Arbeit jedoch deutlich entspannter als ihr Tagesgeschäft, da der Klient die führende Rolle übernimmt und die Lösungen erarbeitet.

Aber nicht nur Anwälte haben in der Mediation zu lernen und sich ein neues Rollenverständnis zuzulegen - auch der Mediator ist gefordert, die Arbeit des Anwalts zu schätzen und in seine Prozessgestaltung mit einzubeziehen. Nicht nur Anwälte haben Vorbehalte gegenüber Mediatoren, auch manche Mediatoren würden am liebsten ohne Anwälte agieren.

Der Klient gewinnt...

Klienten wollen Lösungen - in diesem Punkt sind sich Anwälte und Mediatoren einig. Wie eine gute Lösung aussieht, darüber würden sich aber wohl auch hier die Geister in vielen Fällen scheiden. Es kommt dazu, dass diese Diskussion zwischen zwei Akteuren geführt wird, die aus ihrer Sicht argumentieren. Es zählt jedoch, was der Klient will.

Lösungen, die in der Mediation mit anwaltlicher Unterstützung erarbeitet werden, haben für den Klienten den Vorteil, dass:

  • sie haltbarer sind
  • die Klienten die Lösungen selber kontrollieren können
  • durch Mediation oft ganz neue Lösungsansätze entstehen, an die noch keiner gedacht hat
  • die Kosten niedriger und die Zeitspanne bis zur Lösung kürzer ist

Das Ziel einer Zusammenarbeit zwischen Anwalt und Mediator ist immer, den Kundennutzen zu maximieren und damit die Kundenbindung zu verbessern.

Lösungen, die in solchen Kooperationen bei Mediationsfällen gefunden werden, sind in der Regel für den Klienten befriedigender, effektiver, flexibler und haltbarer als eine von einem Gericht oder einer anderen Einrichtung getroffene Entscheidung.

Diese Benefits entstehen dadurch, dass die Parteien das Verfahren und die Ergebnisse selbst steuern können, und diese Ergebnisse den Bedürfnissen und Interessen beider Parteien entsprechen.

Vor Gericht werden meistens nur die Bedürfnisse einer Partei (oder beider, aber nur teilweise) erfüllt. Dadurch werden oft weitere rechtliche Schritte bei der nächsten Instanz provoziert und eine Lösung rückt für die Dauer des nächsten Verfahrens wiederum in die Ferne.

...der Anwalt auch!

Anwälte sind gegenüber dem Mitbewerb im Vorteil, wenn sie dem Klienten auch eine Begleitung in einer Mediation anbieten. Das heißt nicht, dass Anwälte selber als Mediator tätig werden, sondern dass sie einen Klienten in einer Mediation anwaltlich begleiten.

Der Einsatz von Mediation trägt meiner Erfahrung nach bei Anwälten erheblich zur Mandantenbindung und -neugewinnung bei. Zufriedene Mandanten kommen wieder und empfehlen weiter. Da Anwälte kaum werben dürfen, ist das sicher einer der zentralen Benefits.

Für den Anwalt entstehen also eine Reihe von Vorteilen:

  • bessere Kundenzufriedenheit und -beziehungen durch nachhaltige Lösungen
  • mehr Empfehlungen = mehr Klienten
  • die Mediation ist ein anwaltliches Marketinginstrument mit hohem Wirkungsgrad
  • Anwälte haben mehr Zeit für andere Klienten und Fälle
  • Das Umsatzrisiko ist geringer
  • Der Umsatz entsteht unmittelbarer als bei Prozessen (hallo, Cash-Flow!)

Die Befürchtung, Mediation koste die im streitigen Verfahren erzielbaren Honorare, ist sehr kurzfristig völlig korrekt. Mittelfristig zeigt sich jedoch, dass die Mediation wie ein Marketinginstrument wirkt und durch die niedrigere Betreuungsintensität und den sofort entstehenden Cash-Flow die Gesamtrechnung positiv beeinflusst.

Fazit

Anwalt oder Mediator - die ehrliche Antwort lautet: es hängt von deinem Konflikt ab. Geht es um klare Rechtsdurchsetzung, einen Präzedenzfall oder eine endgültig zerbrochene Beziehung, ist der Anwalt der richtige Weg. Willst du die Beziehung erhalten, brennt es zeitlich oder ist Vertraulichkeit kritisch, ist Mediation fast immer die klügere Wahl. Bei komplexen Wirtschafts- und Gesellschafterkonflikten zahlt sich oft die Kombination aus: Mediation mit anwaltlicher Begleitung beider Seiten - rechtssicher, vertraulich und beziehungserhaltend.

Für den Klienten bedeutet das nachhaltigere Lösungen, niedrigere Gesamtkosten und eine kürzere Konfliktdauer. Für Anwälte und Berater, die diesen Weg in ihre Praxis integrieren wollen, ist eine strukturierte Zusammenarbeit mit klar abgegrenzten Rollen die Grundvoraussetzung - so wie im Bonus-Abschnitt oben beschrieben.

Wenn du selbst vor der Entscheidung stehst, welcher Weg für deinen Konflikt sinnvoll ist: Im 30-minütigen Erstgespräch ordnen wir deine Situation gemeinsam ein - kostenlos und ohne Verkaufsdruck. Was Wirtschaftsmediation im Detail ist und wie sie abläuft, erfährst du im vollständigen Wirtschaftsmediations-Guide.


Wenn du dich für Mediation entscheidest, ist die nächste Frage: Welcher Mediator passt zu deinem Konflikt? Im Beitrag 7 Auswahlkriterien für deinen Wiener Wirtschaftsmediator findest du den Filter dafür.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Anwalt und Mediator?

Eine Anwältin vertritt deine Interessen gegen die andere Seite. Eine Mediatorin ist allparteilich und sorgt dafür, dass beide Seiten eine Lösung finden, mit der sie leben können. Anwalt = Recht durchsetzen. Mediator = Lösung finden. Beide haben ihre Berechtigung, je nach Situation.

Wann sollte ich einen Anwalt einschalten, wann einen Mediator?

Anwalt: wenn die Beziehung sowieso vorbei ist, wenn du ein Recht klar durchsetzen willst, wenn ein Präzedenzfall nötig ist. Mediator: wenn du mit der anderen Seite weiter zusammenarbeiten willst, wenn beide kooperationsbereit sind, wenn Vertraulichkeit wichtig ist.

Was kostet Mediation im Vergleich zum Anwalt?

Mediation ist meist 50-80 Prozent günstiger als der Anwaltsweg, wenn du Folgekosten und Beziehungsschaden mitrechnest. Ein halber Tag Wirtschaftsmediation startet ab 1.500 Euro. Anwaltsverfahren bei Wirtschaftskonflikten kosten oft mehrere zehntausend Euro pro Instanz.

Kann ich beide gleichzeitig haben - Anwalt und Mediator?

Ja, und bei größeren Wirtschaftskonflikten ist das oft die beste Lösung. Die Anwälte schützen die rechtlichen Interessen, die Mediatorin führt durch den Lösungsprozess. Der Vorteil: Lösungen sind sofort rechtlich abklopfbar, das spart einen ganzen Schritt.

Ist Mediation rechtlich bindend?

Die Mediationsvereinbarung selbst ist ein Vertrag und damit rechtlich bindend. Wenn du in Österreich zusätzliche Rechtssicherheit willst, kann die Vereinbarung notariell beglaubigt oder als Vergleich beim Gericht eingereicht werden - dann ist sie wie ein Urteil vollstreckbar.

Was passiert, wenn die Mediation scheitert?

Du verlierst nichts. Die Mediationsvereinbarung enthält eine Verschwiegenheitsklausel, das heißt: was in der Mediation gesagt wurde, darf nicht in einem späteren Gerichtsverfahren verwendet werden. Du kannst danach jederzeit den Anwaltsweg gehen.

Wie finde ich den richtigen Mediator?

Achte auf drei Dinge: Eintragung im Verzeichnis des Bundesministeriums für Justiz nach ZivMediatG (Qualitätsmerkmal), Spezialisierung auf deinen Konflikttyp (Wirtschaft, Familie, Gesellschaft) und ein kostenloses Erstgespräch. Im Erstgespräch klärst du, ob die Chemie und die Methodik passen. Bei Wirtschaftskonflikten zusätzlich: praktische Erfahrung mit B2B und idealerweise eigene Geschäftserfahrung.

Autor

Melanie Berger

...auch bekannt als die schweizerischste Wirtschaftsmediatorin Österreichs - ich löse seit 2020 Konflikte in und zwischen Unternehmen mit einer Erfolgsquote von 95%. Ich biete Wirtschaftsmediation, Konfliktcoaching und Konfliktmanagementtrainings an. In meiner Freizeit höre ich Musik, trainiere, oder werke im Garten herum.

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mit Melanie Berger

Besser gelöste Konflikte bedeuten mehr Erfolg. In zwei Tagen zu erfolgreicheren Projekten und zufriedeneren Mitarbeitern.

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