Wahrnehmung in Konflikten

Hast du jemals darüber nachgedacht, wie deine Wahrnehmung dein Verhalten in Konfliktsituationen beeinflusst? Und warum deine Wahrnehmung öfter mal von jener der anderen Beteiligten abweicht? In diesem Artikel erkläre ich dir, wie menschliche Wahrnehmung (ein Teil der Konfliktpsychologie) funktioniert, warum sie unzuverlässig sein kann und wie das zu Konflikten beiträgt.

Was ist Wahrnehmung?

Wahrnehmung ist der Prozess, durch den wir Sinneseindrücke verarbeiten und interpretieren, um unsere Umwelt zu verstehen.

Sie umfasst das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen sowie die Interpretation dieser Reize durch unser Gehirn. Dabei nehmen wir den größten Teil der Sinneseindrücke über das Auge, den kleinsten über das Schmecken auf.

5 Arten, auf die deine Wahrnehmung dein Konfliktverhalten steuert - Wirtschaftsmediation Melanie Berger

Bildquelle: Studyflix

Wie funktioniert menschliche Wahrnehmung?

  1. Sinnesreize: Wir nehmen Informationen aus unserer Umwelt durch unsere Sinne auf.
  2. Verarbeitung: Diese Informationen werden an unser Gehirn weitergeleitet, wo sie verarbeitet und interpretiert werden.
  3. Interpretation: Unser Gehirn interpretiert diese Informationen basierend auf unseren Erfahrungen, Erwartungen und Glaubenssätzen.
sinneswahrnehmung prozess

Bildquelle: Wikibooks

Warum ist unsere Wahrnehmung unzuverlässig?

Menschliche Wahrnehmung ist nicht immer genau oder objektiv - genau genommen ist sie das in Wahrheit niemals. Verschiedene Verzerrungen können unsere Wahrnehmung beeinflussen und verzerren, hier nur einige davon:

  1. Selektive Wahrnehmung: Wir nehmen nur einen Bruchteil der verfügbaren Informationen wahr und neigen dazu, Informationen auszuwählen, die unseren Erwartungen oder Überzeugungen entsprechen.
  2. Bestätigungsfehler: Wir suchen und interpretieren Informationen so, dass sie unsere bestehenden Überzeugungen bestätigen.
  3. Halo-Effekt: Eine einzelne positive oder negative Eigenschaft einer Person beeinflusst unsere gesamte Wahrnehmung dieser Person, sie überstrahlt quasi alle anderen Eigenschaften.
  4. Attributionsfehler: Wir neigen dazu, das Verhalten anderer auf ihre Persönlichkeit zu schieben, während wir unser eigenes Verhalten auf äußere Umstände zurückführen.
5 Arten, auf die deine Wahrnehmung dein Konfliktverhalten steuert - Wirtschaftsmediation Melanie Berger

Aber nicht nur die Wahrnehmung beeinflusst unser Verhalten, sondern auch unsere Glaubenssätze; im Beitrag 3 Arten, auf die Glaubenssätze deine Konflikte im Berufsleben drastisch verstärken erfährst du mehr darüber.

Oh- und auch Werte sind tricky, warum lernst du hier: Wertekonflikte: der Stoff, aus dem Alpträume sind. Aber damit nicht genug, denn auch Selbstsabotage kann ein Thema sein.

Zum Glück aber gibt es auch hilfreiche Mechanismen wie Emotionale Intelligenz und Empathie

Wie beeinflusst deine Wahrnehmung die Entstehung von Konflikten?

  1. Missverständnisse durch selektive Wahrnehmung: In einer Teambesprechung nimmst du nur die Kritik deines Chefs wahr und übersiehst das positive Feedback. Das führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Gefühl der Ungerechtigkeit und zu Konflikten.
  2. Konfliktverschärfung durch Bestätigungsfehler: Wenn du glaubst, dass ein Kollege unzuverlässig ist, wirst du eher Situationen wahrnehmen, die diesen Glauben bestätigen, und andere Informationen ignorieren. Das verstärkt deine negativen Gefühle ihm gegenüber und führt dazu, dass ihr leichter in einen Konflikt geratet.
  3. Verzerrte Wahrnehmung durch den Halo-Effekt: Wenn du denkst, dass ein Kollege sehr kompetent ist, könntest du seine Fehler übersehen oder entschuldigen, während du bei anderen Kollegen kritischer bist. Das resultiert in Ungleichbehandlung und Spannungen.
  4. Missverständnisse durch Attributionsfehler: Du interpretierst das Zuspätkommen eines Kollegen als Faulheit, während du dein eigenes Zuspätkommen auf den Verkehr schiebst. Deshalb reagierst du auf sein Verhalten tendenziell genervter, was einen Konflikt wahrscheinlicher macht.

Strategien zur Verbesserung deiner Wahrnehmung in Konfliktsituationen

  1. Selbstreflexion: Hinterfrage deine eigenen Annahmen und Überzeugungen. Frage dich, ob du alle relevanten Informationen berücksichtigst oder ob deine Wahrnehmung verzerrt ist.
  2. Aktives Zuhören: Höre aktiv zu und versuche, die Perspektive des anderen zu verstehen. Frage nach, wenn etwas unklar ist, anstatt sofort zu urteilen.
  3. Empathie entwickeln: Versuche, dich in die Lage der anderen Person zu versetzen. Verstehe ihre Gefühle und Motive, um Missverständnisse zu vermeiden.
  4. Bewusste Wahrnehmung: Sei dir bewusst, dass deine Wahrnehmung nicht immer objektiv ist. Versuche, Informationen neutral zu bewerten (frage dich, was du übersehen haben könntest - da kann auch die Meinung Dritter hilfreich sein, bitte sie einfach um Feedback zur Situation) und nicht nur auf deine vorgefassten Meinungen zu achten.
  • Selektive Wahrnehmung: In welchen Situationen habe ich möglicherweise nur die negativen Aspekte wahrgenommen und die positiven übersehen?
  • Wann habe ich zuletzt Informationen so interpretiert, dass sie meine bestehenden Überzeugungen bestätigen, und welche alternativen Erklärungen könnte es geben?
  • Wie kann ich aktiv daran arbeiten, die Perspektive anderer besser zu verstehen und meine eigene Wahrnehmung zu hinterfragen?

Fazit

Deine Wahrnehmung spielt eine entscheidende Rolle dabei, wie du Konflikte erlebst und darauf reagierst. Indem du dir der Unzuverlässigkeit deiner Wahrnehmung und ihrer Verzerrungen bewusst wirst, kannst du bewusster und effektiver handeln. Dies hilft dir nicht nur, Konflikte besser zu bewältigen, sondern auch, dich persönlich weiterzuentwickeln.

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