3 Ideen zum leichteren Umgang mit Wertekonflikten am Arbeitsplatz - Wirtschaftsmediation Melanie Berger

Wertekonflikte am Arbeitsplatz sind der Endgegner. Sie sind schwer lösbar und können im schlimmsten Fall auch krank machen. Sie sind deshalb so schwer zu lösen, weil sie höchstpersönliche innere Parameter betreffen, die nur sehr schwer veränderbar sind. Das bedeutet, Wertekonflikte sind auf der Ebene der Werte nicht lösbar - trotzdem gibt es ein paar Hebel und Strategien, die du im Fall eines Wertekonflikts für dich nützen kannst.

Was ist ein Wertekonflikt am Arbeitsplatz?

Wertekonflikte entstehen, wenn die grundlegenden Überzeugungen und Prinzipien von Individuen oder Gruppen voneinander abweichen. Unsere Werte sind tief in uns verwurzelt und bestimmen, was wir als wichtig, richtig und erstrebenswert erachten.

Sie werden maßgeblich durch unseren kulturellen Hintergrund, unsere Erziehung und persönlichen Erfahrungen geprägt. Sie absichtsvoll und aktiv zu verändern ist beinahe unmöglich - meistens sind es unplanbare Einflüsse von außen, die dazu führen, dass sich Werte verändern.

Nehmen wir zum Beispiel Marina und Stefan, die gemeinsam im Marketingteam arbeiten. Anna ist davon überzeugt, dass Ehrlichkeit und Authentizität in der Werbung oberste Priorität haben sollten, während Tom mehr Wert auf Kreativität und Überzeugungskraft legt, auch wenn dabei manchmal die Grenzen des Vertretbaren etwas gedehnt werden...

Das ist ein typischer Fall sehr unterschiedlicher Werte, die schnell zu Konflikten führen können.

Wertekonflikt lösen II

Woran erkenne ich einen Wertekonflikt?

Wertekonflikte sind oft auf den ersten Blick gar nicht so leicht erkennbar - häufig ist es jedoch so, dass in solchen Konflikten der andere als "schlechter Mensch" dargestellt wird. "Das tut man nicht" ist auch meistens mit dabei, begleitet von ehrlicher Empörung darüber, wie jemand sich erdreisten kann, so ein Verhalten an den Tag zu legen.

Trifft das alles zu, kannst du mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass du in einem handfesten Wertekonflikt steckst.

Manche Menschen haben übrigens die interessante Vorstellung, dass man Konflikte "sachlich" lösen müsse - im Falle eines Wertekonflikts wirst du jedoch sehen, dass das mitnichten der Fall ist (wie übrigens bei anderen Konflikten in Wahrheit auch kaum, aber das erkläre ich in einem anderen Beitrag - inzwischen schau' dir doch mal den Beitrag über Konfliktpsychologie an, da findest du jede Menge Ressourcen, nach deren Lektüre du das verstehen wirst).

Es wird sehr schwierig sein, diesen Konflikt auf einer sachlichen Ebene zu diskutieren. Denn wie schon oben erwähnt: Werte sind etwas Höchstpersönliches und eine Verletzung von Werten wir meistens auf massiven Angriff auf die eigene Person verstanden.

Zusammengefasst gibt es also drei Symptome, die darauf schließen lassen, dass du in einem Wertekonflikt steckst:

  • du empfindest den anderen als "schlechten Menschen"
  • wenn du über das Gegenüber nachdenkst, hast du genau einen Gedanken: "das tut man nicht" (wahlweise auch: "das ist unanständig")
  • es scheint unmöglich, den Konflikt sachlich zu lösen

Rufe dir vergangene Konflikte mal in Erinnerung - welche davon waren sehr wahrscheinlich Wertekonflikte?

  • Welche Werte sind dir persönlich in deinem Arbeitsleben besonders wichtig? Wie lebst du sie im Alltag?
  • Erinnerst du dich an eine Situation, in der deine Werte mit denen eines Kollegen oder deines Unternehmens kollidiert sind?
  • Wie bist du damit umgegangen und was würdest du heute vielleicht anders machen?

Warum sind Wertekonflikte so schwierig zu lösen?

In meiner Arbeit als Wirtschaftsmediatorin stelle ich immer wieder fest: Da unsere Werte eng mit unserer Identität verknüpft und oft tief verwurzelt sind, sind Konflikte auf dieser Ebene besonders herausfordernd (weil man das eben kaum NICHT persönlich nehmen kann).

Es geht also nicht nur um sachliche Meinungsverschiedenheiten, sondern um etwas zutiefst Persönliches. Kompromisse zu finden oder Lösungen zu entwickeln, die alle Beteiligten zufriedenstellen, ist oft ein steiniger Weg - vor allem, wenn die zugrunde liegenden Werte sehr stark voneinander abweichen.

wertekonflikte strategien

Und: Sogar wenn wir die gleichen Werte haben, kann es zu Konflikten kommen: Lass mich dir dazu ein Beispiel geben: Wenn wir beide den Wert "Zuverlässigkeit" haben, können wir selbst darüber in einen Konflikt geraten, je nachdem, wie wir den Wert auslegen.

Für dich kann es in Ordnung sein, wenn jemand ein paar Minuten zu spät kommt, so lange er Deadlines einhält oder rechtzeitig Bescheid gibt, wenn er es nicht schafft, für mich kann das schon eine Werteverletzung bedeuten. Es ist also alles noch viel komplizierter, als gedacht 🙂

Trotzdem gibt es Möglichkeiten, mit Wertekonflikten gut umzugehen. Hier sind drei Kernstrategien, die dir helfen können, Wertekonflikten am Arbeitsplatz zu deeskalieren und am Ende vielleicht auch zu lösen.

Wie kann ich einen Wertekonflikt (trotzdem) lösen?

1. Verständnis fördern und Perspektiven wechseln

Der erste Schritt zur Lösung von Wertekonflikten besteht darin, ein Bewusstsein für die unterschiedlichen Wertvorstellungen zu schaffen. Oft sind sich die Beteiligten ihrer eigenen Werte und auch denen der Kollegen nicht vollständig bewusst (übrigens sind das die wenigsten Menschen - oder kannst du aus dem Stand deine wichtigsten drei Werte benennen?).

Nimm dir die Zeit, die Perspektive des anderen einzunehmen und zu verstehen, warum bestimmte Dinge für ihn oder sie wichtig sind. Höre aktiv zu und stelle Fragen, um die Sichtweise deines Gegenübers besser nachvollziehen zu können (das heißt nicht, dass du sie teilen musst).

Angenommen, du arbeitest in einem Vertriebsteam und legst großen Wert auf Ehrlichkeit gegenüber den Kunden. Dein Kollege ist hingegen eher ergebnisorientiert und scheut auch nicht davor zurück, den Kunden gegenüber mal Dinge zu beschönigen oder zu übertreiben.

Bevor du ihn verurteilst, versuche zu verstehen, woher seine Haltung kommt. Vielleicht hatte er in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht, wenn er zu ehrlich war? Oder er steht selbst unter enormem Druck, Ergebnisse zu liefern? Ein offenes Gespräch kann hier Wunder wirken - und wenn ihr euch gegenseitig versteht, kann das schon erste Lösungsideen bringen. Trust me.

wertekonflikt lösen

2. Gemeinsame Werte und übergeordnete Ziele definieren

Hat man erst einmal ein Verständnis für die unterschiedlichen Wertvorstellungen entwickelt, gilt es, eine gemeinsame Basis zu finden. Dabei helfen drei Fragen:

  • Welche Werte teilen alle Beteiligten?
  • Wo gibt es Überschneidungen?
  • Und was sind die übergeordneten Ziele, auf die man sich einigen kann?

Für unser Vertriebsteam könnte das so aussehen: Vielleicht können sich alle darauf einigen, dass langfristige Kundenbeziehungen und nachhaltiger Erfolg wichtiger sind als kurzfristige Abschlüsse um jeden Preis. Auf dieser Basis lassen sich dann konkrete Verhaltensregeln ableiten, die für alle verbindlich sind.

Und vielleicht findet sich ja auch noch der eine oder andere Punkt, den man nicht "schön" genug dargestellt hat (ja, auch das gibt es) - hier könnte man die Stärken des Kollegen nützen, der sich so auch wieder einbringen kann.

4. Den Konflikt auf die Bedürfnisebene bringen

In der Mediation nutzen wir oft das "Eisbergmodell" der Kommunikation. Es besagt, dass das, was wir in einem Konflikt sehen - die Positionen und das Verhalten - nur die Spitze des Eisbergs ist. Darunter liegen die eigentlichen Interessen, Bedürfnisse und Werte.

Wenn du dir das Modell ansiehst, dann siehst du, dass du, wenn du auf der Bedürfnisebene kommunizierst, eine Ebene über den Werten bist - dort wird es leichter, den Konflikt zu lösen. Werte erzeugen immer Bedürfnisse, deshalb ist das möglich.

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Ein Beispiel: Im Marketingteam streiten Anna und Tom über die richtige Werbestrategie. Anna bevorzugt einen seriösen, sachlichen Ansatz, während Tom mit kreativen, humorvollen Kampagnen punkten will. Auf den ersten Blick ein klassischer Wertekonflikt. Doch schauen wir hinter die Kulissen:

Annas Bedürfnis nach Sicherheit und Seriosität rührt daher, dass sie in ihrem vorherigen Job erlebt hat, wie eine zu witzige Kampagne nach hinten losging und zu verärgerten Kunden und Imageschäden führte. Tom hingegen strebt nach Anerkennung und Selbstverwirklichung - er will seine kreative Ader ausleben und sich profilieren.

Gelingt es, diese zugrunde liegenden Bedürfnisse anzusprechen, tun sich oft neue Lösungsoptionen auf. Vielleicht kann man Annas Bedürfnis nach Sicherheit adressieren, indem man den humorvollen Ansatz mit seriösen Elementen ausbalanciert. Und Tom könnte seine Kreativität zusätzlich in internen Projekten ausleben, wo das Risiko überschaubar ist.

Der Schlüssel liegt darin, mit Empathie die tieferliegenden Bedürfnisse zu erforschen. Dazu gehört auch, die eigenen Bedürfnisse klar zu kommunizieren. Eine Sprache der Gefühle und Bedürfnisse kann hier enorm hilfreich sein - auch wenn dir das im beruflichen Umfeld vielleicht zuerst einmal eigenartig vorkommt.

Hier bietet die gewaltfreie Kommunikation einige Ansätze und gute Ideen - sieh' dir das bei Gelegenheit doch mal an.

Natürlich ist das oft leichter gesagt als getan und erfordert Mut und Offenheit. Aber es lohnt sich! Denn wenn wir lernen, auf der Bedürfnisebene zu kommunizieren, können wir nicht nur Konflikte lösen, sondern auch tiefere Verbindungen zueinander aufbauen. Und ja, das geht auch im beruflichen Kontext, ohne gleich sprichwörtlich die Hose runterzulassen.

  • Reflektiere einen aktuellen Wertekonflikt: Welche Bedürfnisse stehen für dich und dein Gegenüber dahinter?
  • Wie könntest du diese Bedürfnisse ansprechen und welche Lösungsoptionen siehst du?

Fazit: Wertekonflikte sind tricky, aber nicht aussichtslos

Jeder Wertekonflikt ist eine Einladung, die eigenen Überzeugungen zu reflektieren und sich in andere hineinzuversetzen. Er ist eine Gelegenheit, gemeinsame Grundwerte und Ziele zu definieren und so den Zusammenhalt im Team zu stärken. Oder eben - je nachdem, wofür du dich entscheidest, das Team zu spalten.

Wertekonflikte am Arbeitsplatz sind herausfordernd, keine Frage. Aber bevor du das Handtuch wirfst, versuche, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen, gemeinsame übergeordnete Ziele zu definieren und auf der Bedürfnisebene zu kommunizieren.

Ja, es braucht Mut, sich mit unterschiedlichen Wertvorstellungen auseinanderzusetzen. Es erfordert Offenheit, Empathie und die Bereitschaft, auch mal die eigene Perspektive zu hinterfragen. Aber genau darin liegt eine enorme Chance für persönliches und gemeinsames Wachstum (ich weiß: Blahblahblah - die Frage ist nur: Was ist die Alternative?)

Und noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Hab Geduld mit dir und anderen. Niemand ist perfekt und Veränderung braucht Zeit. Aber jeder kleine Schritt in Richtung mehr Verständnis und Zusammenarbeit ist ein Schritt in die richtige Richtung.

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Konfliktmanagementtrainings

mit Melanie Berger

Besser gelöste Konflikte bedeuten mehr Erfolg.

In zwei Tagen zu erfolgreicheren Projekten und zufriedeneren Mitarbeitern.

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