Denkst du auch, Mediation sei nur was für Hippies und Friede-Freude-Eierkuchen-Typen? Dann bist du in bester Gesellschaft. Mediation hat mit einigen ziemlich hartnäckigen Vorurteilen zu kämpfen. Also lass uns die zehn häufigsten Vorurteile gegen Mediation mal genauer unter die Lupe nehmen (und ich werde sie natürlich heftigst dementieren!). Bereit, dein Weltbild umzukrempeln?
1. Mediation ist zu lang und teuer
Manche glauben, dass Mediation (und Wirtschaftsmediation) eine endlose Laberei ohne konkretes Ergebnis ist und dabei noch jede Menge Geld kostet. In Wahrheit führt aber Mediation erwiesenermaßen schneller zu einer Lösung als ein langwieriges Gerichtsverfahren oder das selber Rummurksen im Unternehmen, wenn es im Team nicht läuft.
Ein guter Mediator hilft den Parteien, effizient und zielgerichtet auf eine Lösung hinzuarbeiten. Und was die Kosten angeht: Mediation ist im Vergleich zu den Alternativen kostengünstiger. Sie spart am Ende nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Nerven.
2. Mediation ist für Schwächlinge
Ein weit verbreitetes Vorurteil ist, dass nur schwache oder unfähige Menschen Mediation in Anspruch nehmen. Die Wahrheit ist genau das Gegenteil: Mediation erfordert Mut, Offenheit und die Fähigkeit, sich selbst zu reflektieren.
Es ist ein Zeichen von Stärke, Hilfe anzunehmen und aktiv nach Lösungen zu suchen, anstatt Probleme zu ignorieren oder zu verdrängen. Starke Persönlichkeiten erkennen, wann sie Unterstützung brauchen, und nutzen die Vorteile der Mediation, um konstruktiv voranzukommen.
3. Mediation ist esoterisch und da muss ich mit dem Feind Händchenhalten
Ein weiteres Vorurteil ist, dass Mediation etwas Esoterisches oder Spirituelles ist, das nur für bestimmte Menschen geeignet ist. Viele stellen sich Mediation vor wie eine Art Therapie-Session, bei der man Händchen hält und sich emotional öffnet, vor (Gott bewahre, ich würde sterben!).
In Wirklichkeit ist Mediation eine wissenschaftlich fundierte Methode zur Konfliktlösung, die weltweit in unterschiedlichsten Kontexten angewendet wird. Sie basiert auf psychologischen und kommunikationstheoretischen Grundlagen und hat nichts mit Esoterik zu tun.
Der Prozess ist strukturiert, professionell und sachlich, und der Fokus liegt auf der Kommunikation und dem gegenseitigen Verständnis, nicht auf emotionaler Nähe (obwohl die ein Nebenprodukt sein kann) oder therapeutischer Quacksalberei.
Es ist besser, miteinander zu reden, als gegeneinander zu schweigen.
Ignazio Silone
Italienischer Schriftsteller
4. Mediation ist nur für Familienkonflikte
Viele denken, Mediation sei nur etwas für zerstrittene Ehepaare oder streitende Geschwister. Falsch gedacht! Mediation wird in der Wirtschaft, im Gesundheitswesen, in Schulen, in Kommunen und sogar in Nachbarschaftsstreitigkeiten erfolgreich eingesetzt.
Egal ob es um ein zerstrittenes Projektteam oder um den Streit mit dem Nachbarn wegen der Hecke geht – Mediation kann in fast jedem Lebensbereich helfen.
Gerade im unternehmerischen Kontext ist Mediation enorm wertvoll, im wahrsten Sinn des Wortes - denn sie verhindert nachweislich Kostenexplosionen aufgrund von Krankenständen, Kündigungen, Produktivitätsverlusten undsoweiter (you name it).
5. Mediation ist zu weich
Ein weiteres klassisches Vorurteil gegen Mediation ist, dass durch Mediation keine harten Entscheidungen getroffen und Konflikte deshalb nicht gelöst werden. Die Realität? Mediation führt zu sehr klaren, messbaren Vereinbarungen.
Mit "weich" ist aber oft auch die Vorstellung gemeint, dass man sich in der Mediation "lieb haben" müsse. Das Gegenteil ist der Fall: In meinen Mediationen wird auch mal lautstark diskutiert und gestritten, weil es manchmal einfach Not tut, mal alles Aufgestaute loszuwerden. Es ist zwar kein unmittelbares Ziel, dass gestritten wird, aber es ist auch nicht völlig ausgeschlossen.
Es geht darum, gemeinsam Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten akzeptabel sind – und das kann knallharte (aber lohnende!) Arbeit sein - bei mir ist noch niemand aus einer Mediation raus gegangen und hätte dieses Vorurteil auch nur im Ansatz noch gehabt ;-).
6. Mediator*innen sind komisch und keine Profis
Ein weiterer Irrglaube ist, dass Mediatoren einfach nur nette Leute mit dem Willen, die Welt zu retten sind. Tatsächlich durchlaufen Mediatoren intensive Schulungen und Zertifizierungen (was Weltrettungsgedanken selbstverständlich nicht per se ausschließt).
Und die meisten haben viele Zusatzqualifikationen wie Studien, psychologische Ausbildungen, sind Unternehmensberater, Soziologen oder Volkswirte, haben also auch mal was "richtiges" gelernt - ich selber habe sogar vor ganz lang her einen handwerklichen Beruf gelernt und tatsächlich auch mal was Richtiges gearbeitet :-).
Kurzum: Mediatoren lernen in der (in Österreich reglementierten) Ausbildung, wie sie Konflikte professionell und effektiv managen können. Und können das dann auch. Also jedenfalls die Mehrzahl.
7. Mediation führt zu Kompromissen, die niemandem gerecht werden
Dass Mediation immer nur zu faulen Kompromissen führt, mit denen keiner wirklich zufrieden ist, höre ich ebenfalls öfter, als mir lieb ist. Tatsächlich zielt Mediation darauf ab, Lösungen zu finden, die die Bedürfnisse und Interessen aller Parteien berücksichtigen, was alles mitnichten auf Kompromisse zutrifft.
Ein guter Mediator hilft den Beteiligten, nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die für alle Seiten vorteilhaft sind. Es geht (im ersten Anlauf) nicht darum, dass jeder etwas aufgeben muss, sondern darum, gemeinsam eine Win-Win-Situation zu schaffen.
Ein Kompromiss ist immer nur die zweitbeste Lösung, allerdings in manchen - jedoch seltenen - Fällen unausweichlich.
“Die Schönheit in einem Menschen zu sehen ist dann am nötigsten, wenn er auf eine Weise kommuniziert, die genau das am schwierigsten macht”.
Marshall B. Rosenberg
Psychologe und mediator
8. Der Mediator entscheidet für uns
Ganz ehrlich? Ich hätte schlaflose Nächte und würde schon mal üben, mich nach meinem Ableben im Grab umzudrehen, wenn dem so wäre.
Viele glauben, dass der Mediator wie ein Richter fungiert und Entscheidungen für die Konfliktparteien trifft. Das ist falsch.
In der Mediation liegt die Entscheidungsgewalt ausschließlich bei den Parteien selbst. Der Mediator unterstützt lediglich den Prozess, stellt sicher, dass beide Seiten gehört werden, und hilft, Missverständnisse zu klären. Er oder sie gibt keine Lösungen vor, sondern fördert die Eigenverantwortung und Selbstbestimmung der Beteiligten.
9. Mediation funktioniert nicht bei ernsthaften Konflikten
Viele denken, dass Mediation nur für kleine Missverständnisse geeignet ist (und auch das Gegenteil wird gerne geglaubt, vor allem, wenn es um den vollstaendigen Wirtschaftsmediations-Guide geht).
Aber selbst bei schweren Konflikten, die Jahre andauern, kann Mediation Wunder wirken. Es geht darum, die Wurzeln des Problems zu erkennen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln.
Oft haben Konfliktparteien in sehr lange anhaltenden Konflikten bereits einiges versucht (aber halt keine Mediation) und sind schon etwas mutlos. Aber gerade da kann Mediation die Dinge wieder in Bewegung bringen. Weil sie anders funktioniert als andere Maßnahmen und Instrumente und hinter die Kulissen schaut.
10. Mediation ist nur für die, die gerne reden
Falsch. Mediation ist eher dazu da, einander zuzuhören (ok, das wiederum bedingt, dass jemand redet).
Natürlich, Kommunikation ist ein zentraler Bestandteil der Mediation. Aber es geht zentral darum, einander zu verstehen. Wer glaubt, dass Mediation nur für Profiplaudertaschen ist, wird überrascht sein, wie strukturiert und zielorientiert diese Gespräche sind.
Und eins ist sicher: In die Verlegenheit, dass du nicht weißt, was du sagen sollst, wirst du nicht kommen. Dafür sorgt der Mediator mit entsprechenden Fragetechniken. Und ganz viel Neugierde.
Fazit
Die Mediation kämpft, obwohl schon einige Jahre am Markt, immer noch mit massiven Vorurteilen in der Gesellschaft. Die meisten dieser Vorurteile gegen die Mediation sind nur leider einfach nicht wahr und ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen eine andere Perspektive auf das Thema Mediation geben. Hast du schon mal überlegt, Mediation in deinem Leben oder deinem Unternehmen auszuprobieren? Es könnte durchaus die Lösung sein, nach der du gesucht hast. Wenn du tiefer einsteigen willst - was Wirtschaftsmediation wirklich ist, erklärt der Hub-Artikel faktenbasiert. Was eine Wirtschaftsmediation kostet und welche Faktoren den Preis bestimmen, liest du im Pricing-Guide aus 80+ B2B-Mediationen.
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Häufige Fragen
Wie rechtfertige ich Mediation gegenüber meinem Chef?
Du sparst Zeit und Geld. Eine Mediation kostet einen Bruchteil eines Gerichtsverfahrens und dauert Wochen statt Jahre. Dazu kommt: Du behältst die Kontrolle über das Ergebnis und kannst weiter geschäftlich zusammenarbeiten.
Welchen ROI hat Mediation für Unternehmen?
Studien zeigen: Jeder in Mediation investierte Euro spart dir 3-7 Euro an Folgekosten. Du vermeidest Produktivitätsverluste, Fluktuation und langwierige Rechtsstreitigkeiten. Plus: Deine Teams arbeiten wieder zusammen statt gegeneinander.
Was ist der Unterschied zwischen Mediation und Schlichtung?
Bei der Schlichtung entscheidet ein Schlichter für euch. In der Mediation findet ihr selbst die Lösung - ich helfe nur dabei. Du behältst die volle Kontrolle und das Ergebnis passt zu euren echten Bedürfnissen.
Ist Mediation nicht zu soft für harte Business-Konflikte?
Mediation ist knallhart effizient. Du gehst direkt an die Wurzel des Problems und löst es dauerhaft. Keine oberflächlichen Kompromisse, sondern echte Win-win-Lösungen, die allen nützen.
Wie lange dauert eine typische Wirtschaftsmediation?
Die meisten Wirtschaftsmediationen sind in 1-3 Sitzungen erledigt. Das entspricht wenigen Wochen statt Jahren vor Gericht. Du investierst ein paar Tage und sparst dir monatelangen Stress.
Was passiert, wenn die Mediation scheitert?
Du hast nichts verloren. Alle anderen Optionen bleiben dir offen - Gericht, Schiedsgericht oder interne Eskalation. Oft entstehen aber schon während der Mediation neue Lösungsansätze, die vorher undenkbar waren.
