Konfliktmanagement Melanie Berger 7 entscheidende Momente: Wann Führungskräfte in Konflikten eingreifen müssen Uncategorized
Autor: Melanie Berger

Aktualisiert am 7. Mai 2025

Es ist so eine Sache mit dem Eingreifen in Konflikten: Zu früh und man fühlt sich wie die Kindergartentante, zu spät und alles ist im Eimer. Und klar, in manchen Situationen ist die Antwort darauf "es kommt darauf an" und man muss sich die Faktoren genauer ansehen - dann wiederum gibt es aber Momente, die eindeutig sind und in denen du als Führungskraft in Konflikte eingreifen musst, um Schaden abzuwenden.

1. Plötzliche Verhaltensänderungen

Ein abrupter Wandel im Verhalten eines Mitarbeiters, wie unerklärliche Aggression oder Rückzug, signalisiert oft Konflikte und erfordert sofortiges Eingreifen. Besonders spannend ist übrigens Zynismus und Gossiping - beides kann auch ein Symptom eines beginnenden Burn-Outs sein, es ist also Aufmerksamkeit gefragt.

2. Veränderung der Körpersprache oder des Tonfalls

Wenn sich die Körpersprache oder der verbale Ton eines Mitarbeiters plötzlich verändert, kann das auf einen Konflikt hinweisen, der einer Klärung bedarf. Dass du das bemerkst, erfordert natürlich, dass du in gutem Kontakt zu deinen Mitarbeitern bist und ein entsprechendes Level an emotionaler Intelligenz hast - ohne wird das nicht funktionieren.

Oft merken Mitarbeiter übrigens selber nicht, dass sie ein Problem haben, weil ihr Selbstbewusstsein, also das Bewusstsein über ihre eigenen Emotionen und inneren Vorgänge nicht gut funktioniert - dann ist es umso wichtiger, dass jemand von außen Veränderungen spiegelt.

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3. Erhöhte Fehlzeiten

Ein Anstieg der Abwesenheiten kann ein Hinweis darauf sein, dass Mitarbeiter versuchen, Konflikten aus dem Weg zu gehen, und deutet auf ernsthafte Probleme hin. Schau dir also die HR Kennzahlen gut an.

Steigt die Fluktuation? Hast du deutlich mehr Krankenstände im Team, ohne dass es dafür eine andere Erklärung gibt? Baut der Meier plötzlich seine Überstunden ab, etwas, das er sich seit Jahren zu tun weigert? Hat die Vertriebsleiterin plötzlich doppelt so viele Auswärtstermine und das Team will plötzlich gar nicht mehr aus dem Homeoffice? Dann wird es Zeit, hinzusehen.

Wenn Konflikte im Untergrund schwelen (was sie meistens tun, es wird selten offen gestritten), versuchen Menschen nämlich automatisch, der unangenehmen Situation irgendwie zu entkommen - diejenigen, die sich wenig Chancen auf andere Jobs ausrechnen oder Veränderungen gegenüber eher skeptisch sind, werden also andere Wege als die Kündigung finden, um nicht anwesend sein zu müssen.

Du wirst deine Leute gut genug kennen, um das einschätzen zu können - nur hast du vielleicht bisher einen anderen Grund vermutet.

4. Nachlassende Produktivität

Ein merklicher Rückgang der Produktivität im Team ist ein klares Zeichen dafür, dass ein Konflikt die Arbeitseffizienz beeinträchtigt und gelöst werden muss. Jetzt gibt es aber viele Bereiche, wo Produktivität aufgrund der Komplexität einer Aufgabe nicht eindeutig gemessen werden kann.

Dann schau mal hin, ob du plötzlich mehr Leute für die gleiche Aufgabe brauchst, ohne, dass es dafür einen objektiven Grund gibt - das könnte ein Warnzeichen sein (außer natürlich, wenn sich Menschen einfach keine Überstunden mehr machen wollen, das ist dann aber was anderes und kannst du wiederum gut an den Zahlen sehen).

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5. Erhöhte Stresslevel

Erhöhte Stressniveaus und sichtbare Anspannung im Team weisen darauf hin, dass die Konflikte die psychische Gesundheit der Mitarbeiter beeinträchtigen und angegangen werden müssen.

Es wird nicht mehr gescherzt und in der Teeküche ist es auf einmal sehr leise? Du bekommst genervte Antworten oder E-Mails, die sich auf das Wesentliche beschränken? Dann könnte es sein, dass du ein Problem hast.

Klar, wir haben alle mal stressigere Phasen und es kann gut sein, dass gar nicht viel mehr dahinter steckt. Nachfragen solltest du aber auf jeden Fall.

6. Verstoß gegen Unternehmensrichtlinien oder Sicherheitsbedrohung

Ein Bruch der Arbeitsrichtlinien oder eine Bedrohung der Sicherheit am Arbeitsplatz erfordert sofortige Maßnahmen, um Schaden abzuwenden und die Ordnung wiederherzustellen.

Außerdem: wenn du der Geschäftsführer bist, haftest du ja auch dafür. Also los, du hast keine Zeit zu verlieren. Überall dort, wo solche Verletzungen von Regeln (auch rechtliche!) passieren, ist unmittelbares Handeln gefordert.

7. Sinkende Moral und spürbare Spannungen

Ein Rückgang der Moral und sichtbare Spannungen unter den Teammitgliedern sind deutliche Anzeichen dafür, dass ein Eingriff durch die Führungskraft erforderlich ist, um die Arbeitsatmosphäre zu verbessern.

Versuche herauszufinden, was der Grund ist - sehr oft wird auch dein Führungsverhalten zu Spannungen beitragen, ohne, dass du das willst oder es dir bewusst ist. Hier kann eine solide Feedbackkultur hilfreich sein - wenn es die nicht gibt, wird es zwar zäher, aber nicht unmöglich, herauszufinden, was los ist.

Und drum herumkommen wirst du so oder so nicht, außer du stehst auf den Geruch von Auseinandersetzungen am Morgen.

Fazit

Effektives Konfliktmanagement erfordert in bestimmten Situationen ein schnelles und entschlossenes Handeln der Führungskraft - hier darfst du nicht lange überlegen.

Durch das Erkennen dieser sieben entscheidenden Momente bist du einen Schritt weiter - und wenn du zwar weißt, dass du eingreifen sollst, aber nicht genau weißt, was du tun sollst, findest du hier auf meinem Blog ganz viele hilfreiche Artikel dazu.

Ich empfehle zum Beispiel das Modell von Glasl, wo du lernst, wie Konflikteskalation funktioniert - so hast du mal einen ersten Anhaltspunkt, welche Maßnahme Sinn macht.

Quellen


Häufige Fragen

Wann muss eine Führungskraft in einen Teamkonflikt eingreifen?

Sofort, wenn ein Konflikt die Zusammenarbeit blockiert, die Gesundheit einzelner gefährdet oder Kunden betrifft. Zu früh eingreifen kann Eigenverantwortung untergraben - zu spät eingreifen lässt Konflikte eskalieren. Der richtige Moment ist, wenn du merkst: Die Beteiligten kommen alleine nicht mehr weiter und der Konflikt breitet sich auf Unbeteiligte aus.

Wie erkenne ich, ob ein Teamkonflikt eskaliert?

Achte auf diese Warnsignale: Die Kommunikation verlagert sich auf E-Mail statt persönliches Gespräch. Teammitglieder sprechen übereinander statt miteinander. Die Leistung sinkt. Krankmeldungen häufen sich. Oder: Es bilden sich Lager. Wenn du zwei oder mehr dieser Zeichen erkennst, ist Handeln angesagt. Das Eskalationsmodell nach Glasl hilft dir, die Stufe einzuschätzen.

Warum greifen viele Führungskräfte zu spät ein?

Weil sie hoffen, der Konflikt löse sich von selbst. Oder weil sie selbst konfliktvermeidend sind und unangenehme Gespräche scheuen. Manche verwechseln auch Nicht-Eingreifen mit Souveränität - "Die sind erwachsen, die klären das." Das funktioniert bis Stufe 2 nach Glasl. Danach brauchen die Beteiligten deine Unterstützung.

Wie greife ich als Führungskraft richtig in einen Konflikt ein?

Beginne mit Einzelgesprächen - nicht mit einem Gruppengespräch, bei dem alle aufeinander losgehen. Höre jede Seite einzeln an, ohne Position zu beziehen. Dann bringe die Beteiligten zusammen, mit klaren Gesprächsregeln. Dein Job ist nicht, den Schuldigen zu finden, sondern eine Lösung, die für alle tragbar ist.

Was tun, wenn ich als Führungskraft selbst Teil des Konflikts bin?

Dann kannst du nicht gleichzeitig Partei und Moderator sein. Hole dir einen neutralen Dritten - das kann eine HR-Person sein, ein Kollege aus einer anderen Abteilung oder ein externer Mediator. In meinem Konfliktmanagement-Training zeige ich Führungskräften, wie sie diese Grenze erkennen und rechtzeitig Unterstützung holen.

Kann ich als Führungskraft Konflikte im Team präventiv verhindern?

Verhindern nicht - aber die Häufigkeit und Schärfe deutlich reduzieren. Die drei wirksamsten Hebel: regelmäßige Einzelgespräche (nicht erst wenn es brennt), transparente Entscheidungen und ein Team-Kodex für den Umgang miteinander. Teams, die gelernt haben, Spannungen früh anzusprechen, eskalieren seltener.

Autor

Melanie Berger

...auch bekannt als die schweizerischste Wirtschaftsmediatorin Österreichs - ich löse seit 2020 Konflikte in und zwischen Unternehmen mit einer Erfolgsquote von 95%. Ich biete Wirtschaftsmediation, Konfliktcoaching und Konfliktmanagementtrainings an. In meiner Freizeit höre ich Musik, trainiere, oder werke im Garten herum.

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mit Melanie Berger

Besser gelöste Konflikte bedeuten mehr Erfolg. In zwei Tagen zu erfolgreicheren Projekten und zufriedeneren Mitarbeitern.

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