häufigste Fehler von Führungskräften im Konfliktmanagement
Autor: Melanie Berger

Aktualisiert am 1. Mai 2026

Leider machen viele Führungskräfte im Konfliktmanagement gravierende Fehler, die nicht nur den Konflikt verschlimmern, sondern auch das Vertrauen und die Moral im Team beeinträchtigen. Das Resultat sind häufig die Kündiungen oder vermasselte Projekte. In diesem Artikel zeige ich dir die 5 häufigsten Fehler, die Führungskräfte im Umgang mit Konflikten machen, und gebe dir praktische Tipps, wie du sie ganz leicht vermeiden kannst. Welche Fehler dir besonders unterlaufen, hängt eng mit deinem eigenen Konflikttyp zusammen - die typischen Konfliktmuster findest du im Überblick.

1. Konflikte ignorieren oder vermeiden

Viele Führungskräfte neigen dazu, Konflikte zu ignorieren oder zu vermeiden, in der Hoffnung, dass sie von selbst verschwinden (wie das übrigens die meisten Menschen tun, denn wir wollen unangenehme Gefühle möglichst vermeiden, weil sie so furchtbar anstrengend für unser Hirn sind).

Manchmal funktioniert das ja auch, häufiger führt es jedoch dazu, dass sich Spannungen aufbauen und die Situation total eskaliert. Du musst also in der Lage sein, Konflikte frühzeitig zu erkennen und proaktiv anzugehen, indem du direkte Gespräche mit den beteiligten Parteien führst und eine offene Kommunikation förderst (ja, auch dafür wirst du bezahlt...).

Was du sonst noch so können solltest, steht übrigens im Artikel "Essentielle Führungskompetenzen bei Konflikten im Unternehmen".

Konfliktmanagement Melanie Berger Konfliktmanagement für Führungskräfte: 5 typische Fehler & wie du sie vermeidest Konfliktmanagement für Führungskräfte

2. Partei ergreifen

Ein weiterer häufiger Fehler ist es, in einem Konflikt Partei zu ergreifen. Das bewirkt, dass eine Seite sich unfair behandelt fühlt und das Vertrauen in die Führung verliert. Du solltest also zuerst einmal neutral bleiben und beide Seiten des Konflikts anhören.

Nicht falsch verstehen: Natürlich darfst du eine Meinung haben (ist ja dein Team, dein Ziel und deine Verantwortung) - die äußerst du aber erst später, denn du weißt nie, was du noch nicht weißt. Bringst du sie zu früh ein, traut sich keiner mehr, etwas zu sagen, was nicht dazu passt und du verlierst wertvolle Information (die deine Meinung wiederum ändern könnte...).

Eine faire und ausgewogene Herangehensweise stärkt außerdem das Vertrauen und die Akzeptanz im Team. Weitere Tipps dazu findest du im Beitrag "10 unverzichtbare Führungstechniken für Konfliktmanagement, die jede Führungskraft kennen muss".

3. Fehlende Kommunikation

Kommunikation ist der Schlüssel zur Konfliktloesung im Online-Kurs Ruhe im Karton (ok, das wusstest du bereits). Wenn du nicht klar und offen kommunizierst, entstehen Missverständnisse und Unsicherheiten, die den Konflikt verschlimmern.

Konfliktmanagement Melanie Berger Konfliktmanagement für Führungskräfte: 5 typische Fehler & wie du sie vermeidest Konfliktmanagement für Führungskräfte

Du musst also regelmäßig und klar kommunizieren, Feedback geben und sicherstellen, dass alle Mitarbeiter deine Erwartungen und Ziele verstehen (und wenn du jetzt sagst, dafür hast du keine Zeit, läuft etwas gewaltig schief - du brauchst hintennach nämlich ein Vielfaches an Zeit, um das wieder glattzubügeln - und vielleicht fehlt sie dir genau deshalb?).

Häufige Fragen

Was sind die häufigsten Fehler von Führungskräften bei Konflikten?

Die fünf typischsten: zu lange warten statt früh einzugreifen, Partei ergreifen statt neutral zu moderieren, Konflikte per Machtwort lösen wollen, das Problem ignorieren in der Hoffnung, es löse sich von selbst, und Feedback nur im Jahresgespräch geben. Jeder einzelne dieser Fehler verschärft den Konflikt, statt ihn zu lösen.

Wie löse ich als Führungskraft einen Konflikt zwischen Mitarbeitern?

Führe zuerst Einzelgespräche mit beiden Seiten - höre zu, ohne Position zu beziehen. Dann bringe die Beteiligten zusammen, mit klaren Gesprächsregeln. Dein Job ist nicht Richter, sondern Moderator: Hilf beiden Seiten, ihre Interessen zu verstehen und eine gemeinsame Lösung zu finden. Das Eskalationsmodell nach Glasl zeigt dir, ab welcher Stufe du eingreifen musst.

Was tun, wenn ich als Führungskraft selbst konfliktscheu bin?

Konfliktscheue Führungskräfte vermeiden unangenehme Gespräche und hoffen, dass sich Probleme von selbst lösen. Das tun sie nicht. Der erste Schritt: Akzeptiere, dass Konflikte zu deinem Job gehören. Der zweite: Bereite dich konkret vor - mit einer klaren Struktur fühlst du dich sicherer. In meinem Online-Kurs Ruhe im Karton lernst du, Konfliktsituationen souverän anzugehen.

Wie erkenne ich einen Konflikt zwischen Mitarbeitern frühzeitig?

Achte auf indirekte Zeichen: sinkende Kommunikation, E-Mails statt persönlicher Gespräche, Lagerbildung, steigende Krankmeldungen, passive Aggression (Augenrollen, Schweigen). Wenn zwei Mitarbeiter plötzlich nur noch über dritte Personen kommunizieren, ist der Konflikt bereits eskaliert. Wöchentliche Einzelgespräche helfen dir, solche Signale früh aufzufangen.

Wann brauche ich als Führungskraft externe Hilfe bei einem Teamkonflikt?

Wenn du selbst Teil des Konflikts bist, wenn direkte Gespräche dreimal gescheitert sind, oder wenn sich der Konflikt auf das gesamte Team ausbreitet. Eine Wirtschaftsmediation bringt einen neutralen Dritten ins Spiel und löst in wenigen Sitzungen, was intern monatelang festgefahren war.

4. (Unangemessene) emotionale Reaktionen

Führungskräfte, die - unangemessen - emotional auf Konflikte reagieren, eskalieren die Situation ungewollt. Wut, Frustration oder andere negative Emotionen zerstören das Vertrauen und die Zusammenarbeit im Team.

Deshalb ist es wichtig, dass du lernst, deine Emotionen zu kontrollieren und ruhig auf Konflikte zu reagieren. Emotionen zu kontrollieren heißt übrigens nicht, sie total auszuschließen und "wegzumachen", sondern dazu in der Lage zu sein, sie der Situation angepasst zu äußern.

Selbstregulation als einer der fünf Faktoren emotionaler Intelligenz ist hierbei übrigens der Schlüssel - was sonst noch so alles dazu gehört und wie du das verbessern kannst, erfährst du hier.

5. Scheinlösungen, damit endlich Ruhe ist

Oft konzentrieren sich Führungskräfte auf kurzfristige Lösungen, die das unmittelbare Problem lösen, aber die zugrunde liegenden Ursachen nicht angehen. Das führt dazu, dass der Konflikt später unweigerlich erneut auftritt. Wenn du bei einer Krankheit nur die Symptome behandelst, ergeht es dir ja ähnlich.

Du solltest also nach langfristigen und nachhaltigen Lösungen suchen, die die Ursachen des Konflikts beheben (dazu musst du sie aber erstmal verstehen, was wiederum gute Kommunikation, aktives Zuhören, Kenntnis des Eisbergmodells und von ein paar Coaching Methoden voraussetzt).

Konfliktmanagement Melanie Berger Konfliktmanagement für Führungskräfte: 5 typische Fehler & wie du sie vermeidest Konfliktmanagement für Führungskräfte

Fazit

Konfliktmanagement ist immer noch ein Stiefkind, dabei gehört es zu den wichtigsten Fähigkeiten einer Führungskraft und sie ist gar nicht so schwer zu lernen. Wer Konflikte gut lösen kann, ist ganz weit vorne - denn Konflikte gut lösen zu können erfordert viele Fähigkeiten, die auch deinen restlichen Führungsalltag deutlich erleichtern.

Trotzdem erlebe ich immer wieder, dass im Konfliktmanagement Fehler passieren, die nicht sein müssten. Du kennst jetzt die wichtigsten und was du dagegen tun kannst - viel Erfolg! Wer Konfliktkompetenz als Führungskraft systematisch aufbauen will, kann sich den 7-Schritt-Konflikt-Kurs Ruhe im Karton ansehen.

Und wenn du es mit besonders schwierigen Mitarbeitern zu tun hast, findest du in meinem Leitfaden schwierige Mitarbeiter führen konkrete Strategien für den Alltag.

Autor

Melanie Berger

...auch bekannt als die schweizerischste Wirtschaftsmediatorin Österreichs - ich löse seit 2020 Konflikte in und zwischen Unternehmen mit einer Erfolgsquote von 95%. Ich biete Wirtschaftsmediation, Konfliktcoaching und Konfliktmanagementtrainings an. In meiner Freizeit höre ich Musik, trainiere, oder werke im Garten herum.

Konfliktmanagement-trainings

mit Melanie Berger

Besser gelöste Konflikte bedeuten mehr Erfolg. In zwei Tagen zu erfolgreicheren Projekten und zufriedeneren Mitarbeitern.

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