Autor: Melanie Berger

Aktualisiert am 26. September 2026

Kurz gesagt

Warum sind schwierige Kollegen eine Bereicherung? Schwierige Kollegen sind ein Trainingsfeld für fünf berufliche Fähigkeiten: persönliche Entwicklung, Problemlösung, Resilienz, Kommunikation und Kreativität. Das wirkt wie Krafttraining: Wiederholte Reibung zwingt dich, Grenzen zu setzen, Perspektiven zu wechseln und ruhig zu bleiben. Die Grenze: Bei respektlosem, manipulativem oder schädigendem Verhalten hilft kein Umdeuten. Dann brauchst du klare Grenzen und Unterstützung durch Führungskraft oder Mediation.

Sagst du auch ab und zu (oder öfter): „Warum musste ich ausgerechnet mit dem in einem Team landen?“ Bevor du in Selbstmitleid versinkst oder den Jobwechsel planst, lass uns einen anderen Blickwinkel einnehmen. So verrückt es klingt: Es gibt gute Gründe, warum schwierige Kollegen auch eine Bereicherung sein können.

Wie heftig die Reibung wird, hängt übrigens davon ab, welche der 7 Konflikttypen bei euch aufeinanderprallen.

Falls du gerade akut leidest: Hier geht es um einen Perspektivwechsel für die lange Sicht. Wenn du zuerst verstehen willst, warum dir der Umgang so schwerfällt, lies Schwierige Kollegen: 5 psychologische Mechanismen. Die Perspektive hier läuft dir nicht weg.

Stress oder Sprungbrett? Warum deine Sicht auf die Reibung entscheidet

Wir verbringen einen großen Teil unserer wachen Zeit mit Kollegen. Kein Wunder, dass diese Beziehungen stark beeinflussen, wie wohl wir uns fühlen und wie gut wir arbeiten. Im Team treffen unterschiedliche Persönlichkeiten, Arbeitsstile und Werte aufeinander. Konflikte sind also vorprogrammiert, und oft sind sie sogar notwendig.

Mit welchen besonders herausfordernden Typen du es zu tun haben kannst, zeigt Die Dunkle Triade: 3 toxische Persönlichkeiten. Konkrete Strategien für schwierige Gespräche findest du in den 7 Verhandlungstechniken für den Umgang mit schwierigen Kollegen. Hier geht es um eine andere Frage: Was bringt dir die Reibung selbst?

Kostenloser Konflikt-Workshop · 25 Min

In 25 Minuten verstehen, was deine Truppe blockiert. Und in welcher Falle du steckst.

Melanie Berger im kostenlosen Konflikt-Workshop mit Konflikt-Radar Melanie Berger im kostenlosen Konflikt-Workshop

Du füllst deinen Konflikt-Radar aus und findest selbst heraus, wo dein Konflikt steht.

Jetzt kostenlos ansehen

Kostenlos · on demand · diskret (§ 18 ZivMediatG)

1. Schwierige Kollegen fördern deine persönliche Entwicklung

Der wichtigste Grund ist die Entwicklung, die schwierige Kollegen in dir anstoßen, ob du willst oder nicht:

  • Sie bringen dich dazu, deine Komfortzone zu verlassen.
  • Sie zeigen dir, wo deine Grenzen liegen, und du lernst, sie zu setzen.
  • Sie trainieren deine emotionale Intelligenz.

Stell dir vor, du bist ein Schwamm und jede Begegnung mit einem schwierigen Kollegen ist ein Tropfen Wasser. Mit der Zeit saugst du eine Menge auf. Irgendwann kannst du mit dem Stress umgehen, deine Emotionen regulieren und klarer kommunizieren. Spätestens dann, wenn es dir zu blöd wird, dich ständig aufzuregen.

Fallbeispiel (Anonymisiert)

Sarah, Softwareentwicklerin und Klientin von mir, hatte einen Kollegen, der ständig ihre Arbeit kritisierte. Anfangs fühlte sie sich verletzt und demotiviert. Mit der Zeit lernte sie, sachliches Feedback von persönlichen Angriffen zu unterscheiden und ruhig darauf zu reagieren. Diese Fähigkeit kam ihr später als Teamleiterin sehr zugute.

Warum Schwierige Kollegen eine Bereicherung sein können

2. Schwierige Kollegen schulen deine Problemlösung

Wenn alles glatt läuft, brauchst du deine Problemlösefähigkeiten selten. Schwierige Kollegen fordern sie heraus:

  • Sie fordern deine Kreativität (irgendwie musst du sie ja überlisten).
  • Sie bringen dich dazu, andere Perspektiven einzunehmen.
  • Sie trainieren dein analytisches Denken.

Betrachte deinen schwierigen Kollegen wie ein kniffliges Sudoku. Jede Begegnung ist eine neue Aufgabe für dein Gehirn. Du lernst, Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen, und findest mit der Zeit bessere Lösungen.

Ein Beispiel: Ein Projektmanager hatte einen Kollegen, der ständig Deadlines verpasste. Statt frustriert aufzugeben, machte er die gemeinsame Arbeit sichtbarer, mit einem einfachen visuellen Planungsboard. Davon profitierte am Ende das ganze Team.

Schwierige Kollegen: mit schwierigen Persönlichkeiten umgehen

3. Schwierige Kollegen stärken deine Resilienz

Resilienz, also die Fähigkeit, mit Stress und Rückschlägen umzugehen, gehört zu den wichtigsten Kompetenzen im Beruf. Und jetzt rate mal, wer deine besten Resilienztrainer sind. Richtig, die schwierigen Kollegen:

  • Sie helfen dir, Frustrationstoleranz aufzubauen.
  • Sie zeigen dir, wie du mit Rückschlägen umgehst.
  • Sie fördern deine Anpassungsfähigkeit.

Jede Begegnung mit einem schwierigen Kollegen wirkt wie eine kleine Impfung. Im Moment ist sie unangenehm, auf Dauer stärkt sie dein emotionales Immunsystem.

Ein Vertriebsmitarbeiter hatte einen Kollegen, der ihm immer wieder Kunden abwerben wollte. Anfangs war er wütend und entmutigt. Mit der Zeit konzentrierte er sich auf seine Stärken und vertiefte die Beziehungen zu seinen Kunden. Diese Gelassenheit half ihm auch in anderen stressigen Situationen.

4. Schwierige Kollegen verbessern deine Kommunikation

Kommunikation ist einer der größten Erfolgsfaktoren im Beruf. Und wer gibt dir die meisten Gelegenheiten zum Üben? Du ahnst es schon: die üblichen Verdächtigen.

  • Sie bringen dich dazu, klarer und präziser zu formulieren.
  • Sie trainieren dein aktives Zuhören.
  • Sie lehren dich die Kunst der Diplomatie.

Jedes Gespräch mit einem schwierigen Kollegen ist ein kleiner Hochseilakt. Du lernst, deine Worte sorgfältig zu wählen, Körpersprache zu lesen und das Ungesagte zwischen den Zeilen zu hören.

Eine Marketingmanagerin hatte eine Kollegin, die in Meetings regelmäßig ihre Ideen zerpflückte. Statt sich zurückzuziehen, bereitete sie ihre Präsentationen besser vor, sah Einwände voraus und baute sie gleich in ihre Vorschläge ein. Das machte sie zu einer überzeugenderen Kommunikatorin und später zu einer stärkeren Führungskraft.

Warum Schwierige Kollegen eine Bereicherung sein können (Illustration II)

5. Schwierige Kollegen fördern Innovation und Kreativität

Das klingt zunächst widersprüchlich. Trotzdem können schwierige Kollegen Katalysatoren für neue Ideen sein:

  • Sie bringen andere Perspektiven ein.
  • Sie stellen den Status quo in Frage.
  • Sie zwingen dich, über den Tellerrand zu schauen.

Dein schwieriger Kollege ist wie ein Stein im Schuh. Unangenehm? Ja, und wie. Er bringt dich aber dazu, deinen Weg zu überdenken.

Ein Produktdesigner ärgerte sich lange über einen Kollegen, der jeden Entwurf auseinandernahm. Irgendwann holte er dessen Kritik früher in den Prozess, statt sie am Ende abzuwehren. Seine Entwürfe wurden dadurch deutlich robuster.

Der Innovationsforscher Frans Johansson beschreibt in „The Medici Effect“, dass viele neue Ideen dort entstehen, wo unterschiedliche Disziplinen und Kulturen aufeinandertreffen. Im Büro sind das manchmal eben unterschiedliche, aneinander reibende Persönlichkeiten.

Wo der Perspektivwechsel endet

Es ist ein bisschen wie beim Krafttraining: Der Widerstand der Gewichte fühlt sich im Moment unangenehm an. Genau dieser Widerstand lässt aber die Muskeln wachsen. Schwierige Kollegen können auf dieselbe Weise wirken und dich stärker machen.

Das heißt nicht, dass du toxisches Verhalten akzeptieren sollst. Wenn ein Kollege respektlos, manipulativ oder schädigend ist, hilft kein Umdeuten. Dann brauchst du klare Grenzen, eine saubere Dokumentation und Unterstützung, etwa von deiner Führungskraft oder durch eine neutrale Mediation.

Wenn du selbst Führungskraft bist und einen schwierigen Mitarbeiter führst, findest du im Führungs-Leitfaden zu schwierigen Mitarbeitern konkrete Schritte.

Frage an dich

  • Welcher der fünf Gründe hat dich am meisten überrascht?
  • Erinnerst du dich an eine Situation, in der dich ein schwieriger Kollege tatsächlich weitergebracht hat?
  • Wie könntest du die nächste Reibung mit einem schwierigen Kollegen für deine eigene Entwicklung nutzen?

Fazit: Reibung als Trainingspartner

Auf den ersten Blick sind schwierige Kollegen vor allem eins: lästig. Wenn du genauer hinschaust, sind sie oft auch Katalysatoren für persönliches und berufliches Wachstum. Sie fordern dich heraus, treiben dich an und bringen dich dazu, über dich hinauszuwachsen.

Wenn du dich das nächste Mal über einen Kollegen ärgerst, halte kurz inne und frag dich: „Was kann ich hier lernen?“ Oft verändert schon diese Frage deine Perspektive und manchmal sogar die Dynamik zwischen euch. Und wenn der Ärger gerade zu frisch für einen Perspektivwechsel ist, ordne den Konflikt zuerst selbst ein. Der kostenlose Konflikt-Workshop zeigt dir in 25 Minuten, in welchem Stadium ihr steckt und welche Falle dich festhält.

Quellen

  • Johansson, F. (2004): The Medici Effect. Breakthrough Insights at the Intersection of Ideas, Concepts, and Cultures. Boston: Harvard Business School Press.

Häufige Fragen

Heißt der Perspektivwechsel, dass ich toxisches Verhalten akzeptieren muss?

Nein. Der Perspektivwechsel zielt auf Wachstum durch Reibung, nicht auf das Aushalten von Übergriffen. Klare Grenzen, professionelle Distanz und im Zweifel Unterstützung von deiner Führungskraft bleiben unverhandelbar. Wenn ein Kollege respektlos, manipulativ oder schädigend ist, brauchst du Grenzen und Hilfe, kein weiteres Umdeuten.

Was macht einen Kollegen schwierig?

Hinter schwierigem Verhalten stecken oft starke Persönlichkeiten, hohe Ansprüche oder unerfüllte Bedürfnisse. Auch Druck, Angst oder Überlastung können eine Rolle spielen. Statt den Kollegen als schwierig abzustempeln, frag nach dem Warum. Mit mehr Verständnis wird die Zusammenarbeit oft leichter.

Warum sind schwierige Kollegen manchmal eine Bereicherung?

Sie bringen dich dazu, deine Grenzen zu klären, deinen Standpunkt zu vertreten und differenzierter zu denken. Sie rütteln dich auf, wenn du bequem wirst, und bringen oft neue Ideen mit. Mit der richtigen Perspektive werden sie zu Trainingspartnern für Kommunikation, Resilienz und Problemlösung.

Was tun, wenn ich meine Kollegen nicht mehr ertrage?

Nimm das Gefühl ernst und sortiere zuerst: Geht es um eine bestimmte Person, um ein Verhalten oder um die Arbeitssituation insgesamt? Sprich konkrete Störungen direkt und sachlich an. Hol dir Unterstützung, wenn Gespräche nichts ändern. Im kostenlosen Konflikt-Workshop ordnest du deinen Konflikt in 25 Minuten ein und siehst, welcher nächste Schritt sinnvoll ist.

Wann ist ein Kollege zu schwierig für die Zusammenarbeit?

Kritisch wird es, wenn ein Kollege respektlos, abwertend oder schädigend ist. Wenn alle Versuche einer Verständigung gescheitert sind, kann eine räumliche Trennung oder eine andere Aufgabenverteilung nötig sein. Das musst du nicht allein lösen. Hol dir Unterstützung von deiner Führungskraft oder eine neutrale Mediation.

Was ist Kollegenstress und wie entsteht er?

Kollegenstress entsteht durch mangelnde Kommunikation, unklare Rollen oder Konflikte mit bestimmten Personen. Schwierige Kollegen verstärken diesen Stress oft, sind aber nicht immer die Ursache. Klare Absprachen, offene Gespräche und gesunde Grenzen senken den Stress deutlich.

Autor

Melanie Berger

Ich bin Melanie Berger, eingetragene Wirtschaftsmediatorin in Wien und Autorin von „Bulldozer und Erklärbär“.


Seit 2020 löse ich Konflikte in Unternehmen im DACH-Raum: fast 100 gelöste Fälle, in über 95 % davon eine Lösung, über 500 Führungskräfte trainiert und gecoacht. Davor über 30 Jahre in Vertrieb, Controlling, kaufmännischer Leitung und IT-Projekten. In meiner Freizeit gibt es Tanzen, Training und Garten (der Garten verliert meistens).

Steckst du gerade in einem Konflikt? Im kostenlosen Konflikt-Workshop findest du in 25 Minuten selbst heraus, wo er steht.

Konfliktmanagement-trainings

mit Melanie Berger

Besser gelöste Konflikte bedeuten mehr Erfolg. In zwei Tagen zu erfolgreicheren Projekten und zufriedeneren Mitarbeitern.

Konfliktmanagementtrainings

mit Melanie Berger

Besser gelöste Konflikte bedeuten mehr Erfolg. In zwei Tagen zu erfolgreicheren Projekten und zufriedeneren Mitarbeitern.

Verwandte Beiträge

Weitere Beiträge

Fallstudien

>