10 entscheidende Qualitätskriterien für Wirtschaftsmediatoren: So findest du den perfekten Mediator für deinen Konflikt - Wirtschaftsmediation Melanie Berger

Jetzt hast du dich endlich dazu durchgerungen, eine Wirtschaftsmediation zu machen, schon entsteht das nächste Problem: Wie finde ich den passenden Mediator? Gerade in diesem Bereich ist es essenziell, dass es auf vielen Ebenen passt. Was können also sinnvolle Kriterien sein? Hier sind 10 entscheidende Qualitätskriterien für Wirtschaftsmediatoren: So findest du (hoffentlich) den perfekten Mediator für deinen Konflikt.

Bevor wir beginnen noch eins: "gut" ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, wenn du nach einem Wirtschaftsmediator suchst - ich würde eher den Begriff "passend" wählen. Und zwar aus dem Grund, dass es bekannt ist, dass die erfolgreiche Arbeit von Coaches, Therapeuten und eben auch Mediatoren zu weiten Teilen auf der Beziehung zum Kunden/Klienten basiert. Das ist der größte Wirkfaktor. Deshalb ist - neben allen "hard facts" auch die zwischenmenschliche Chemie entscheidend.

Hier findest du übrigens alles über Wirtschaftsmediation, falls du dich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigst.

1. Fachliche Kompetenz

Ein Mediator muss fundierte Kenntnisse in Mediationstechniken sowie - je nach Fall - in rechtlichen und wirtschaftlichen Fragestellungen haben.

Mediative, psychologische und psychosoziale Kompetenzen

In Österreich ist es üblich, dass sich Mediatoren am Justizministerium eintragen lassen (allerdings nicht verpflichtend). Wenn jemand eingetragen ist, kannst du davon ausgehen, dass diese Person eine Ausbildung nach Mindeststandards hinter sich hat und sich regelmäßig fortbildet. Das ist schon mal gut.

Allerdings ist zur Mediationsausbildung zu sagen, dass sie zwar einiges abdeckt, die psychosozialen und psychologische Instrumentarium jedoch eindeutig zu kurz kommt.

Einer meiner Ausbilder sagte mal "es ist fahrlässig, jemanden nur mit einer Mediationsausbildung auf Menschen loszulassen". Damals war ich etwas konsterniert, seit ich aber selber noch eine psychologische Ausbildung (Lebens- und Sozialberatung) gemacht habe, verstehe ich seine Perspektive.

Let us never negotiate out of fear. but lets never fear to negotiate.

John F. Kennedy

Wirtschaftliche, rechtliche und Branchenkenntnisse

Jemand, der unternehmerische Konflikte löst, sollte - je nach Fall - Ahnung von wirtschaftlichen und gegebenenfalls auch rechtlichen Rahmenbedingungen haben. Zudem ist es hilfreich, wenn der Wirtschaftsmediator die Branche bereits kennt, das halte ich allerdings für am wenigsten wichtig.

Zwar ist inhaltliche Kompetenz in der Mediationsszene höchst umstritten, sie hilft allerdings dabei, das größere Ganze in einem Konflikt zu verstehen und so schneller zum Punkt zu kommen. Das macht es für die Beteiligten effizienter und leichter.

Manche Mediatoren sind der Meinung, mit einer Mediationsausbildung könne man praktisch jeden Konflikt lösen, weil man sich ja lediglich auf den Prozess konzentrieren würde und die Inhalte von den Beteiligten kämen.

Ich sehe das - du ahnst es - anders. Oft kann ich nur gezielt intervenieren, weil ich Betriebswirtin bin und schon über 30 Jahre im Berufsleben stehe (und so ziemlich alles gesehen habe...).

2. Erfahrung

Auswahl Wirtschaftsmediator Qualitätskriterien

Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen. Ein erfahrener Mediator hat bereits viele Konflikte erfolgreich gelöst und weiß, wie er die Parteien dabei unterstützt, auch in schwierigen Situationen die richtigen Lösungen zu finden. Frage nach der Anzahl der durchgeführten Mediationen und nach Referenzen (meine Stats und Referenzen findest du auf meiner Startseite).

3. Neutralität und Unabhängigkeit

Ein Mediator muss stets neutral (eigentlich: allparteilich, also "für alle", nicht "für niemanden") und unabhängig sein. Nur so kann er das Vertrauen aller Konfliktparteien gewinnen und unvoreingenommen arbeiten. Achte darauf, dass der Mediator keine Interessenkonflikte hat.

Ein eingetragener Mediator muss offenlegen, wenn solche bestehen - ob sie relevant sind, entscheiden dann die Medianden. Ich habe mal in einem Fall mediiert, da kannte ich einen der Beteiligten, weil seine Frau und ich befreundet sind, für die anderen war das aber kein Problem, also konnte ich mediieren. Hätten sie das abgelehnt, wäre es nichts geworden.

Geh nicht zum Metzger, wenn Du Blumen willst.

Serena Rust

Autorin und Expertin für gewaltfreie Kommunikation

4. Kommunikationsfähigkeit

Die Fähigkeit, klar und verständlich zu kommunizieren, ist für einen Mediator unerlässlich. Er muss gut zuhören können, die richtigen Fragen stellen und komplexe Sachverhalte einfach erklären.

Kommunikation ist aber so eine Sache - nicht zwischen allen Menschen funktioniert Kommunikation sehr gut, auch wenn auf beiden Seiten exzellente Kommunikatoren stehen. Frage dich also, ob du das Gefühl hast, dass du und der Mediator die gleiche Sprache sprecht. Wenn eher nicht, wird es schwierig mit der Mediation. Hier darfst du dich auch auf dein Bauchgefühl verlassen.

5. Empathie

Ein guter Mediator zeigt Einfühlungsvermögen und Verständnis für die Anliegen und Emotionen der Konfliktparteien. Empathie hilft ihm, die wahren Interessen der Beteiligten zu erkennen und eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen.

Ich persönlich hadere ja etwas mit dem Begriff Empathie, weil sie ein zweischneidiges Schwert ist, für unsere Zwecke - nämlich Qualitätskriterien aufzulisten - ist sie aber - auch ohne nähere Definition, was sie denn jetzt für uns heißt - geeignet.

Für dich ist vor allem eines relevant: Fühlst du dich vom Mediator beim ersten Gespräch verstanden? Empfindest du Sicherheit und Sympathie und hast das Gefühl, der Mediator bringt die Dinge auf den Punkt? Dann könnte er eine gute Wahl sein.

10 entscheidende Qualitätskriterien für Wirtschaftsmediatoren: So findest du den perfekten Mediator für deinen Konflikt - Wirtschaftsmediation Melanie Berger

6. Geduld und Ausdauer

Konfliktlösungen erfordern oft viel Zeit und Geduld. Ein Mediator muss in der Lage sein, auch langwierige und komplexe Mediationen zu begleiten, ohne die Geduld zu verlieren. Ausdauer und Beharrlichkeit sind hier entscheidend.

Dieses Kriterium ist zwar schwer messbar, ich wollte es aber trotzdem gesagt haben. Also: Traust du dem Mediator deiner Wahl zu, Dinge durchzuziehen und am Ball zu bleiben?

7. Strukturierte Vorgehensweise

Ein systematisches und strukturiertes Vorgehen ist für den Erfolg einer Mediation wichtig. Der Mediator sollte den Prozess klar definieren und transparent gestalten, sodass alle Beteiligten wissen, was sie erwartet und welche Schritte als Nächstes folgen.

Wenn du schon beim ersten Gespräch das Gefühl hast, jemand ist chaotisch oder lässt dich über den Mediationsprozess im Ungewissen, oder lamentiert um wichtige Informationen herum, dann lass es.

Genau so, wenn der Mediator einen unzuverlässigen Eindruck macht - wie soll so jemand einen strukturierten Prozess leiten und aufrecht erhalten? Eben.

8. Vertraulichkeit

Vertraulichkeit ist das A und O in der Mediation. Der Mediator muss sicherstellen, dass alle besprochenen Inhalte vertraulich behandelt werden und keine Informationen ohne Zustimmung der Beteiligten weitergegeben werden.

Ob du dem Mediator bei der Vertraulichkeit vertraust, kann dir dein Bauchgefühl sagen. Bei erfahrenen Mediatoren kannst du aber davon ausgehen, dass das klappt, sonst wären sie schon weg vom Fenster. Indiskretion ist ein Todesurteil in dem Beruf.

9. Kreativität

Konfliktlösungen erfordern oft kreative Ansätze. Ein guter Mediator bringt Techniken und Methoden zur Förderung von Kreativität ein und hilft den Konfliktparteien, über den Tellerrand hinauszuschauen, um neue und effektive Lösungen zu finden. Er stellt Dinge in Frage und lässt so lange nicht locker, bis er das Gefühl hat, die Beteiligten haben die ganze Palette an Lösungsoptionen am Tisch.

Hier will ich dir noch einen kleinen Trick verraten, den ich manchmal anwende, wenn ich das Gefühl habe, es wird eine Lösungsoption übersehen: Ich erzähle dann von einer anderen, ähnlichen Mediation und dass dort diese und jene Lösung gewählt wurde.

Ob die Medianden den Lösungsvorschlag dann integrieren, ist ihre Sache. Ich würde allerdings nie direkt etwas vorschlagen - ein kleiner, feiner Unterschied.

10. Vertrauen

Letztendlich ist das Vertrauen - neben dem Vertrauen in die Vertraulichkeit - in den Mediator der Schlüssel zum Erfolg. Die Konfliktparteien müssen sich sicher und gut aufgehoben fühlen. Der Mediator sollte daher eine vertrauenswürdige und professionelle Ausstrahlung haben und durch seine Kompetenz und sein Auftreten überzeugen.

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Auch Referenzen und Erfahrung können Vertrauen schaffen. Frage dich also: Empfinde ich diese Person als vertrauenswürdig? Und traue ich ihr zu, mich in meinem Konfliktlösungsprozess gut zu begleiten? Ich muss es leider noch einmal sagen: Dein Bauchgefühl hat meistens recht, ziehe es ruhig zu Rate.

  • Welche Erfahrungen hast du bereits mit Mediatoren gemacht?
  • Denke an aktuelle oder vergangene Konflikte in deinem Unternehmen. Wie könnte die Einbindung eines Mediators mit den genannten Fähigkeiten den Verlauf und das Ergebnis dieser Konflikte verändert haben?
  • Überlege, wie du den Auswahlprozess für Mediatoren gestalten könntest, um sicherzustellen, dass deine Qualitätskriterien erfüllt sind.

Fazit

Die Wahl des richtigen Wirtschaftsmediators kann den Unterschied zwischen einer erfolgreichen Konfliktlösung und einem scheiternden Versuch ausmachen. Dabei sind aber nicht nur die harten Fakten entscheidend, sondern auch, wie die zwischenmenschliche Ebene funktioniert. Wenn man bedenkt, dass Mediation manchmal Unternehmen rettet, ist es also ziemlich klug, weise zu wählen und ein paar Qualitätskriterien im Hinterkopf zu haben.

p.s. Solltest du das Gefühl haben, ich bin nicht "die Richtige", ist das völlig ok (und beruht möglicherweise auf Gegenseitigkeit) - in diesem Fall empfehle ich dir gerne einige meiner Kolleginnen und Kollegen, die das auch super machen.

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